Schlussmachen im Büro: "Das war's dann wohl"

9. Dezember 2013, 20:47
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Die Zweite Liga für Kunst und Kultur zelebriert mit der Uraufführung von "Der Druckauftrag" die Not der Verweigerung

Graz - Zwei Frauen und zwei Männer (Barbara Kramer, Christina Lederhaas, Klaus Meßner und Johannes Schrettle), die in einem Büro arbeiten, das offenbar irgendetwas mit Kleintieren zu tun hat, haben sich richtig viel vorgenommen: Sie wollen künftig genau gar nichts mehr machen.

Und im Detail ist das einiges. In einem Art Manifest, das formal eine automatisch generierte E-Mail-Antwort ist, listen die vier alles auf: Nicht nur nichts mehr arbeiten, nichts mehr heften, klammern, drucken oder Telefonanrufe beantworten oder "nicht mehr auf ein angenehmes Raumklima Rücksicht nehmen", sondern sich auch nicht mehr bürsten oder waschen. Auch mit Kaffee und Rauchpausen ist es vorbei.

Gesprochen wird in dem Stück Der Druckauftrag nicht viel. Die vier Schauspieler schreiben ihren Text live auf der Bühne, das Publikum sieht die Liste der Verweigerung, die länger wird, und auch wieder kürzer, auf die Wand projiziert: Man werde "dem Verfassungsschutz keine Gefühle mehr entgegenbringen", man nimmt sich vor, nicht mehr anzunehmen, dass "Wähler faschistischer Kleinparteien nur protestieren" und man will auch nichts mehr "für Kultur und Soziales ausgeben".

Auf der radikalen Suche nach dem Nichts beschließt man auch, künftig keine Interessen zu haben. Denn da fängt der Schlamassel schon an: Äußerlich sei sie ganz ruhig, sagt eine Mitarbeiterin, aber "in meinem Körper schlummern schon wieder so viele Interessen, dass ich sofort wieder inspiriert werde, wenn ich nicht aufpasse". Und das endet dann womöglich in Arbeit, man kennt das ja.

Die Theatermacher erarbeiteten ihr neues Stück, dass sie bis 21. Dezember im Grazer Volkshaus zeigen, mit der Regisseurin Monika Klengel. Gemeinsam entstand eine Dramaturgie der Endlosschleife, die das Publikum manchmal schmerzvoll spüren lässt, wie schwer es ist, mit der Arbeit, dem schlichten Tun aufzuhören und mit dem Nichts zu beginnen.

Ein treffendes Bild für die Not einer Gesellschaft, die sich selbst nicht mehr sinnvoll findet, sich aber immer wieder selbst produziert. Der Tipp der Zweiten Liga ist vom amerikanischen Anarchisten Bob Black entlehnt: "Arbeiter aller Länder - entspannt Euch!"

Unterlegt ist das Feilen am gemeinsamen Text, der mit "Das war's dann wohl" endet, mit nie endendem Gedudel von Ö3. Zwischendurch brechen die Kollegen aus: Ein Highlight ist die "Unterhaltung" am gläsernen Besprechungstisch, wo freundliche, unverbindliche Worte und Sätze mit Fontänen gespuckten Wassers ersetzt werden.

Man spritzt sich eine Verabschiedung nach, träufelt sich etwas Liebevolles auf den Scheitel, lässt einen Sprühregen an Dahingesagtem auf die Runde herab. Eine perlende Unterhaltung.

Irgendwann sind sie dann doch weg. Aber nur, um als Punkband in Tierkostümen aus dem Faschingsverleih wieder zu kehren. "Ich kann so nicht nicht arbeiten", brüllt ein flauschiger Hase seinen Frust im Sound von Ton Steine Scherben ins Mikro. Und die Ratte quält ihr Keyboard mit der Nase. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 10.12.2013)

Nächster Termin 13.12.

  • Spuck es aus, Kollege: Nicht nur die nonverbale Unterhaltung von Johannes Schrettle, Klaus Meßner, Christina Lederhaas und Barbara Kramer (von links) macht diesen Abend empfehlenswert.
    foto: fabian dankl

    Spuck es aus, Kollege: Nicht nur die nonverbale Unterhaltung von Johannes Schrettle, Klaus Meßner, Christina Lederhaas und Barbara Kramer (von links) macht diesen Abend empfehlenswert.

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