Bürgermeisterrochaden: Lange fackeln ist nicht drin

Blog9. Dezember 2013, 09:43
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Die Bürgermeisterrochaden in Niederösterreich sind zwar nur teilweise geplant, der Zeitpunkt ist aber nicht ganz zufällig

Es sieht so aus, als ob der Zufall es so wollte: In Niederösterreich sind innerhalb einer Woche drei Bürgermeister zurückgetreten oder haben ihren Abgang bekannt gegeben. In zwei dieser drei Fälle war der Schritt zwar offenbar nicht geplant gewesen. Dass hier oder da auch auf den politischen Terminkalender geschielt wurde, darf aber angenommen werden. So  spielt bestimmt auch eine Rolle, dass 2015 wieder Gemeinderatswahlen zu schlagen sind.  Das Jahr 2015 mag derzeit noch weit weg klingen, geht es aber um Konsequenzen an der Spitze einer Kommune, ist der Zeitraum dann doch schon eher kurz.

Lägen  die Gemeinderatswahlen in Niederösterreich noch in fernerer Zukunft wäre womöglich in dem ein oder anderen Fall etwas länger gefackelt worden. Ja, vielleicht säße auch ein über die Multiversum-Affäre gefallener Schwechater Bürgermeister Hannes Fazekas nach wie vor in seinem Sessel, dessen Nachfolger Gerhard Frauenberger (beide SP) auch noch kein Monat im Amt ist. Doch darüber lässt sich nur spekulieren. Genauso wie über die Frage, ob der Gföhler Stadtchef, Karl Simlinger (VP), der über seine eigene Zunge stolperte, wohl noch einige Sprachkunststücke mehr vollführt hätte (er gab ja an, nicht über Juden geschimpft, sondern "Duden" gesagt zu haben). Simlinger teilte aber auch mit, er habe vor Jahresende sowieso noch seinen Rücktritt bekannt geben wollen - nur eben auf die geregelte Art. So wie es vergangene Woche in Traiskirchen der Fall war.  Dies deutet wiederum darauf hin, dass diese Wochen auch für  langfristig geplante Weichenstellungen für 2015 genutzt werden und die Rücktritte nicht nur der Regie des Zufalls folgten.

Nachfolger für Traiskirchens Bürgermeister

In Niederösterreich war für derlei geplante Aktionen 2013 noch keine Zeit gewesen: Vor einer Landtagswahl, die ja im März geschlagen wurde, macht sich ein Bürgermeisterwechsel in der Regel nur selten gut für den Stimmenfang für die eigene Partei. Und der Aufgabe, die Wähler für die Nationalratswahl im Oktober zu mobilisieren, wäre dies auch nicht gerade zuträglich.

Also hat Fritz Knotzer (SP) in Traiskirchen die vergangene Woche genutzt, um die Weichen für seine Nachfolge zu stellen: Er will 2015, nach 30 Jahren im Bürgermeisteramt, den 40-jährigen Stadtrat Andreas Babler (SP) ans Ruder lassen. Dieser wurde letzte Woche zum Spitzenkandidaten für die Wahl nominiert. In der Gemeinde, in der sich das Erstaufnahmezentrum für Asylwerber befindet, hat die SPÖ viel zu verlieren (erhielt sie 2010 doch 69 Prozent der Stimmen und blieb eine rote Hochburg, was mehreren traditionell SP-regierten Städten nicht mehr gelang). Doch da geht es den Nachfolgern im traditionell tiefschwarzen Waidhofen an der Thaya (69 Prozent für VP bei Gemeinderatswahl im Jahr 2010)  oder im roten Schwechat (58 Prozent SP-Stimmen 2010) nicht anders.

2015 wird also spannend. Und in diesem Sinne gilt das auch für die kommenden Wochen. (Gudrun Springer, derStandard.at, 9.12.2013)

  • Traiskirchens Bürgermeister Fritz Knotzer (rechts) hat die Weichen für seine Nachfolge gestellt: Andreas Babler (links) soll ihn beerben.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Traiskirchens Bürgermeister Fritz Knotzer (rechts) hat die Weichen für seine Nachfolge gestellt: Andreas Babler (links) soll ihn beerben.

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