Wasserpumpenzange, Trockenbau und Sekt für Frauen

8. Dezember 2013, 16:58
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Immer mehr Baumärkte versuchen mit Heimwerkerkursen Frauen anzulocken - und das Ganze als "Women's Night" zu vermarkten

Berlin - Aus den Lautsprechern kommt Abba. Es gibt rosafarbenen Sekt aus Plastikbechern. Und eine stark geschminkte Dame mit roter Plastikblume im Haar drückt mir einen Zettel für die Tombola in die Hand: Willkommen nachts im Baumarkt.

Vor ein paar Jahren fiel großen Baumarktketten auf, dass die meisten ihrer Kunden Männer sind. Dass sich Frauen selten zwischen die hohen Regale mit Sechskantschrauben und Innensechskantschrauben verirren - weil sie nicht wissen, welche Schraube die richtige ist. Deshalb bieten viele Baumärkte Frauen jetzt Nachhilfe im Heimwerken an: In einem Abendkurs lernen sie Löcher bohren, Laminat verlegen oder tapezieren. Zur Belohnung gibt es Drinks, Schnittchen und Präsente.

Die Frage ist: Funktioniert das? Und: Wie viele Klischees werden dabei bedient?

Ich teste die Women's Night im Bauhaus in Berlin-Spandau. Bohren kann ich einigermaßen, deshalb habe ich mich für den Workshop "Tropfender Wasserhahn? Sanitärprobleme schnell gelöst!" angemeldet. Rund 300 Frauen sind gekommen, viele mit Freundin. "Guten Abend, liebe Heimwerkerinnen!" , tönt es aus den Boxen. Jan-Dierk Meyer, der Filialleiter, steht auf einer Bühne und stellt die Workshopleiter vor.

Single-Börse

"Trockenbau: klingt trocken, ist es aber nicht", sagt er. Oder: "Diesen Kurs leitet unser allseits beliebter Womanizer." Zwei Frauen neben mir schwärmen vom Baumarkt als Single-Börse. "Da lernst du den Mann in seinem natürlichen Umfeld kennen."

Unsere Workshop-Leiterin ist jung, hübsch, rotgelockt. "Das Quotengirl", lästern die Frauen neben mir. "Ich möchte Ihnen heute von Frau zu Frau zeigen, wie man selbst Hand anlegen kann - nicht an den Mann", sagt sie. Alles lacht. Das letzte Wort hat aber der Filialleiter: "Bevor es jetzt losgeht, noch etwas, was für viele Frauen sehr wichtig ist", sagt er. Dann zeigt er den Weg zum Klo. Schmissig, flott und ein bisschen frivol: So sieht der Baumarkt aus, wenn er Frauen gefallen will.

Wir gehen zu unserem Workshop. Eine Stunde lang erklärt die Leiterin, wie das Waschbecken, die Armatur und das Abflussrohr befestigt werden. Sie benutzt dabei Wörter, die ich noch nie gehört habe: 19er-Maulschlüssel, Wasserpumpenzange, Hebelmischer. Zwischendurch gibt' s ein bisschen Werbung für die hauseigenen Produkte und eine beruhigende Nachricht für alle: "Im Notfall hat Bauhaus auch einen Montageservice."

Dann dürfen wir selbst ran. Ich hänge mich unters Waschbecken, um die Unterlegscheiben anzuschrauben. Ein ziemliches Gefummel, denn man sieht ja nichts, so über Kopf. Immer wenn ich mir ein neues Teil nehme und überlege, wo es hin soll, hat Gabi es auf der anderen Seite schon angeschraubt. Sie hat zwar noch nie ein Waschbecken ausgetauscht. Dafür repariert sie in ihrem Haus sonst so ziemlich alles. "Mein Mann pfuscht da immer, da mache ich es lieber selbst", sagt sie.

Irgendwann haben wir es geschafft. Ich weiß jetzt, dass ich nie allein ein Waschbecken montieren möchte. Gabi sagt: "Ich hab's mir schwerer vorgestellt."

Dann gibt es noch mal Sekt für alle und die Gewinner der Tombola. Der erste Preis ist ein Wellness-Gutschein. Halb zwölf, ein paar Frauen - sehr angeheitert, sehr blond, Mitte vierzig - tanzen zu Girls just wanna have fun. Die Women's Night, das sei ihr Mädelstreff, erklären sie mir. Dann reden sie wieder über Augenringe und das Älterwerden.

Zu Hause im Bad fällt mein Blick sofort auf das Waschbecken. Es hat einen Riss. (Mounia Meiborg, DER STANDARD, 9.12.2013)

  • Rosa Farbe für die Heimwerkerinnen. Mit Frauen-Workshops werben Baumärkte um mehr Kundinnen.
    foto: baumarkt

    Rosa Farbe für die Heimwerkerinnen. Mit Frauen-Workshops werben Baumärkte um mehr Kundinnen.

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