Ein Botschafter auf dem Holzweg

10. Dezember 2013, 11:10
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Dem Vorarlberger Architekten Bernardo Bader geht es um den Fortbestand von Lokalkolorit und Bautradition. Kürzlich wurde er in Lissabon mit dem renommierten Aga-Khan-Preis 2013 ausgezeichnet

Dornbirn - "Eigentlich wusste ich nie, was ich studieren soll", meint der 39-jährige Vorarlberger Bernardo Bader, der, bevor er sich der Architektur zuwandte, eigentlich Jurist werden wollte. Von der frühen Skepsis ist heute nichts mehr zu spüren. Ganz im Gegenteil: Vor zwei Monaten wurde der Hobbymusiker, der sich in seiner Freizeit liebend gerne mit Gitarre, Folk-und Country-Songs zurückzieht, für den von ihm geplanten islamischen Friedhof in Altach mit dem renommierten Aga Khan Award 2013 ausgezeichnet.

"Ich werde ständig gefragt, was ich mit meinem Preisgeld machen werde", sagt Bader. "Ich werde es investieren, um meine Vision weiterhin zu propagieren." Und diese lautet: Fortsetzung von Vorarlberger und vor allem Bregenzerwälder Bautradition und Lokalkolorit auf der Höhe der Zeit. "Schon seit den Vorarlberger Baukünstlern ist die Bauqualität im Ländle extrem hoch. Dieses Potenzial darf man einfach nicht verspielen."

In die Kistenecke gestellt

Laut und auffällig sind die von Bader geplanten Häuser nur selten. Meist handelt es sich um stille, behutsam in die Landschaft komponierte Archetypen. "Von den Innerösterreichern (sic!) wird man als Vorarlberger immer nur in die Holz- und Kistenecke gestellt", sagt Bader. "Aber das ist mir ziemlich wurscht. Die laute, schreierische, skulpturale Lösung ist halt nicht immer die beste."

Zu den bisherigen Projekten des Realisten ("Viele träumen davon, Museen, Kirchen und irgendwas auf dem Mond zu bauen, aber ich will einfach nur schöne Projekte realisieren.") zählen Einfamilienhäuser, Cafés, Restaurants, Gewerbebauten, Schauräume, Schulbauten und Kindergärten. Die meisten Gebäude sind aus Holz, wobei Bader darauf achtet, das Material aus der Region zu beziehen und die Wertschöpfungskette bei klein- und mittelständischen Betrieben zu lassen.

Holz aus eigenem Besitz

Bei einem seiner letzten Projekte überzeugte Bader die Gemeinde Bludenz, den zweitgrößten Waldbesitzer Vorarlbergs, den Gemeindekindergarten mit Material aus dem eigenen Forstbestand zu errichten (siehe Foto links). "Das gesamte Holz für dieses Projekt stammt aus eigenem Besitz. Das war zwar ein organisatorischer Mehraufwand, aber unterm Strich war das Projekt keinen Cent teurer."

Erstmals wagt sich Bader, der sonst nur in der Bodenseeregion tätig ist, über den Alpenraum hinaus. Gemeinsam mit Sven Matt plant er in Zagreb derzeit den Neubau der österreichischen Botschaft. Das Projekt, Resultat eines Wettbewerbs, ist auch in ganz anderer Hinsicht eine Botschaft - und zwar für nachhaltiges, unaufgeregtes Bauen in Holzbauweise und Passivhausstandard. Sämtliche Bauteile werden vorgefertigt und sollen vor Ort nur noch zusammengesteckt werden.

Gegen "langweilige Investorenarchitektur"

Für eines allerdings wird Bader niemals zu gewinnen sein: "Langweilige Investorenarchitektur, bei der es darum geht, billigen Wohnraum als Wertanlage zu schaffen ... Ich finde das entsetzlich. Zum Glück kann ich es mir leisten, die Finger davon zu lassen." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 7.12.2013)

Kurz & bündig

  • Ihr Büro in drei Worten? Finden statt Erfinden.
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  • Ihre größte Niederlage? Das ist kein Thema.
  • Ihr Lieblingsurlaubsland? Kulturoasen in den USA.
  • Letzter Gedanke am Abend? Vorfreude aufs Frühstück.
  • Alternativjob zur Architektur? Wenig Alternativen.
  • Das innen und außen aus Holz gebaute Wohnhaus Fontanella.
    foto: immanuel schnabel

    Das innen und außen aus Holz gebaute Wohnhaus Fontanella.

  • Kindergarten Bludenz aus dem eigenen Forstbestand.
    foto: adolf bereuter

    Kindergarten Bludenz aus dem eigenen Forstbestand.

  • Architekt Bernardo Bader weiß, was er will.
    foto: caro/riedmiller

    Architekt Bernardo Bader weiß, was er will.

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