"Lass sie ausreden, Markus!"

6. Dezember 2013, 17:00
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Irgendwann reichte es sogar dem an sich unzimperlichen Oliver Pocher

So es für TV-Leute ein legales Interview-Doping gibt, hat Markus Lanz für diesen Abend überdosiert: "Seien Sie mal ehrlich", warf er Manuela Schwesig (SPD) gleich zu, legte nach ("Unter uns zwei Klosterschwestern, wie wir hier sitzen, sagen Sie mal...?"), um dann erst richtig loszulegen. Er hatte sich vorgenommen, aus der Politikerin hervorzufragen, ob sie Familienministerin würde.

Und wie: "SPD-Mitglieder könnten jetzt mitbestimmen, ob Sie Ministerin werden?" Später: "Die wollen doch auch wissen, ob sie Familienministerin werden?" Sodann: "Sie wollen doch Familienministerin werden?" In weiterer Folge: "Das heißt, Sie wollen nicht Familienministerin werden?" Irgendwann reichte es sogar dem an sich unzimperlichen Oliver Pocher ("Lass sie doch mal ausreden, Markus!").

Lanz jedoch holte kaum Luft, bohrte besessen weiter, sein Lebensglück schien nur noch an Frau Schwesig zu hängen: "Als Familienministerin werden Sie das Betreuungsgeld auszahlen?" Oder: "Wie gehen Sie im Familienministerium damit um?" Dann auch: "Werden Sie das Betreuungsgeld abschaffen, wenn Sie Ministerin sind?" Zudem: "Mit 39 werden Sie jetzt Familienministerin?"

"Wenn Sie nochmal fragen, vergeuden wir beide schöne Sendezeit", versuchte es Frau Schwesig gütig - Lanz jedoch hob endgültig ab: "Schließen Sie aus, jemals Kanzlerin zu werden?" Schließlich schienen alle Gäste froh, dass die Zeit weit fortgeschritten war und Lanz zum Schluss kommen musste, wobei er an diesem schrulligen Abend nicht mehr zu heilen war: "Wenn Sie dann Familienministerin sind, sehen wir uns hier wieder!" (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 7./8.12.2013)

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