Mitte im Sporthandel stirbt

6. Dezember 2013, 13:29
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Im Sporthandel bleibt kein Stein auf dem anderen. Für Sport 2000-Chef Holger Schwarting bleiben Qualitäts- und Billiganbieter über

Wien - Im Sportartikelhandel ist heuer kein Stein auf dem anderen geblieben. Sport Eybl/Experts wurde mehrheitlich an den britischen Diskontriesen Sports Direct verkauft, Intersport Österreich ging an Intersport Deutschland. Sport 2000 und die zu Kastner & Öhler gehörende Gigasport-Gruppe kooperieren seit Februar beim Einkauf.

"Der Markt segmentiert sich gerade in Qualitäts- und Preisanbieter. Preisaggressive werden dabei wachsen, die Mitte aber ist tot", sagte Sport 2000-Chef Holger Schwarting Donnerstagabend bei einem Hintergrundgespräch. In der schwierigsten Situation befindet sich laut Schwarting die zum Handelskonzern Spar gehörende Sportkette Hervis. "Wenn sie Pech haben, sind sie die tote Mitte."

Hervis zählt wie Sports Direct zu den preisaggressiven Händlern, kann aber mit den Briten nicht mithalten, weil die zehn Mal so groß sind und entsprechend günstig einkaufen. Interessenten für die Spar-Tochter gibt es Branchenkreisen zufolge immer wieder - etwa vom Franzosen Decathlon oder der Schweizer Deichmann-Tochter Ochsner Sport. Beide wollen schon länger in den österreichischen Markt eintreten. Spar will seine Sporthandelsfirma aber nicht verkaufen.

Im Spitzensegment matchen sich derzeit Eybl, Intersport (21 Prozent Marktanteil), Gigasport und Sport 2000 (zusammen 29 Prozent Marktanteil), wobei der Markt auch hier umgerührt wird. Eybl will von ehemals 29 Standorten auf 15 schrumpfen. 14 Geschäfte sollen in Sports-Direct-Läden umgebaut werden. Damit wird der Diskonter auf einen Marktanteil von 15 Prozent kommen. Auch Hervis (16 Prozent Marktanteil) will weiter wachsen.

Schwarting bescheinigt Sports Direct großen Erfolg, aber mit anderen Kunden als bisher. "Die werden Kunden anlocken, die bisher bei Kik oder Tacco eingekauft haben", glaubt er. Sports Direct setzt hauptsächlich auf Sportbekleidung und -schuhe zu Diskontpreisen - und ist damit sehr erfolgreich. "8 Prozent Gewinn vom Umsatz macht kaum jemand", so Schwarting.

Fachhandel könnte sich Kunden zurückholen

Während Sports Direct Kunden aus gewissen Segmenten dazu gewinnen wird, werden andere abwandern, weil sie mehr Beratung brauchen. "Damit wird sich der Fachhandel einige Kunden zurückholen, die er früher an branchenfremde wie Tchibo, Hofer oder Lidl verloren hat", schöpft der Sport 2000-Chef Hoffnung.

Bei der Einkaufsorganisation Sport 2000 setzt man künftig voll auf das Qualitätssegment. "Wir wollen uns über das Sortiment differenzieren und uns auf Marken konzentrieren, die auf den Fachhandel orientiert sind", so Schwarting. Marken wie Nike, Puma und Adidas würden mit ständigen Preisaktionen verrissen. Der Fokus soll auf Labels wie Asics oder Mammut liegen, die dezidiert im Fachhandel vorkommen wollen und nicht zu Niedrigpreisen beim Diskonter.

Der Sportfachhandel macht einen Jahresumsatz von 1,6 bis 1,7 Mrd. Euro. 500 Mio. Euro Umsatz kommt zusätzlich von branchenfremden, da Sportwaren auch im Schuh-, Bekleidungs- oder Lebensmittelhandel verkauft werden. Nach wie vor ist das Wintergeschäft für den Sporthandel wichtiger als das Sommergeschäft. "Wir müssen weg kommen von dieser totalen Winterabhängigkeit", meinte Schwarting. Sportgeschäfte in Westösterreich machten 80 Prozent des Umsatzes mit (Winter-)Touristen. Würden Touristen oder Schnee ausbleiben, wäre es um die Branche schlecht bestellt.

Das Onlinegeschäft ist auch im Sporthandel ein Thema, derzeit werden aber hauptsächlich Schuhe und Sportbekleidung im Netz bestellt. Sorgen bereitet den stationären Händlern aber das zunehmende Skiverleih-Geschäft im Internet. Seit zwei, drei Jahren nehme zudem der Skiverleih in privaten Garagen zu - zu Preisen, bei denen der Sporthandel nicht mithalten kann, erzählte Schwarting. Inzwischen ist bereits jeder zweite Ski, der in Österreich verkauft wird, ein Verleihski. (APA, 6.12.2013)

  • Preis- oder Qualität - der Kunde trifft die Wahl.
    foto: tobias hase

    Preis- oder Qualität - der Kunde trifft die Wahl.

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