Kinderwunsch: Bei uneinigen Paaren ist eins besser als keins

6. Dezember 2013, 13:01
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Demographen der Akademie der Wissenschaften untersuchten, wie Paare, die beim Kinderwunsch uneinig sind, mit dem Konflikt umgehen

Wien - Paare entscheiden sich üblicherweise für ein Baby, wenn beide Partner es wollen. Sind sie beim Kinderwunsch uneinig, hängt die Entscheidung stark davon ab, ob sie schon Kinder haben: Bei Kinderlosen fällt die Entscheidung öfter zugunsten des Partners aus, der sich ein Baby wünscht, zeigt eine Untersuchung am Institut für Demographie der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) über österreichische Paare.

Maria Rita Testa ist in ihrer Studie den Fragen nachgegangen, wie Paare mit einem Konflikt beim Kinderwunsch umgehen, wer sich häufiger durchsetzt und wovon die Entscheidung abhängt. Sie hat dazu die Ergebnisse der Umfrage "Familienentwicklung in Österreich" aus dem Jahr 2008 analysiert. Die Statistik Austria hatte dabei rund 5000 Frauen und Männer zwischen 18 und 45 Jahren zum Thema Kinderwunsch befragt, Testa hat davon die Aussagen von rund 3300 Befragten verwendet.

Schwierige Planung

Es zeigte sich, dass bei in Bezug auf Kinderwunsch uneinigen Paaren die Planung einer Schwangerschaft stark davon abhängt, ob sie bereits Kinder haben. "Bei kinderlosen Paaren fällt die Entscheidung öfter zugunsten des Partners aus, der sich ein Baby wünscht. Hat das Paar bereits Nachwuchs, und sei es auch nur ein einziges Kind, setzt sich hingegen häufiger derjenige Partner durch, der keine Kinder mehr haben möchte", heißt es in der unter anderem vom ÖAW-Institut für Demographie herausgegebenen Publikation "Demographische Forschung".

Erwartungsgemäß spielt dabei die Beteiligung der Väter an der Betreuung ihrer Kinder eine Rolle: Widmen sie ihrem Nachwuchs viel Zeit, entscheiden sich die Paare häufiger für ein weiteres Baby, als wenn sich vorrangig die Mütter um die Kinder kümmern. Dagegen spielte - entgegen der Erwartungen der Wissenschafter - der sozioökonomische Status der Beteiligten keine Rolle im dem Entscheidungsprozess für oder gegen ein Kind.

Frage der Verhütung

87 Prozent der Befragten gaben an, sich beim Kinderwunsch mit ihrem Partner einig zu sein: 76 Prozent wünschten sich ein bzw. ein weiteres Kind, für elf Prozent war die Familienplanung abgeschlossen. 13 Prozent der Paare waren uneinig.

Hatten Befragte die Absicht, auch gegen den Wunsch des Partners ein Kind zu bekommen, bedeute dies aber nicht, dass sie tatsächlich aufhören zu verhüten: Der Anteil an Paaren, die nicht verhüten, ist nur in jenen Beziehungen groß, wo sich beide Partner ein Baby wünschen. Möglicherweise würden "diejenigen, die den Kinderwunsch haben, ihre Partner erst von den Vorteilen eines (weiteren) Babys überzeugen, bevor sie das Risiko einer Schwangerschaft eingingen", vermutet die Demographin. (APA, derStandard.at, 06.12.2013)

  • Bei Kinderlosen fällt die Entscheidung öfter zugunsten des Partners aus, der sich ein Baby wünscht, zeigt eine Untersuchung am Institut für Demographie der Akademie der Wissenschaften über österreichische Paare.

    Bei Kinderlosen fällt die Entscheidung öfter zugunsten des Partners aus, der sich ein Baby wünscht, zeigt eine Untersuchung am Institut für Demographie der Akademie der Wissenschaften über österreichische Paare.

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