Kauflust bei Zeitgenössischem

6. Dezember 2013, 17:44
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Saisonfinale heimischer Auktionshäuser sorgt für beachtliche Bilanzen. Die Mehrheit der hohen Zuschläge dankt man internationalen Käufern

Die angesichts jüngerer Messebilanzen seitens der Teilnehmer monierte lokal grassierende Kaufunlust scheint die hiesige Auktionsbranche kaum zu tangieren: Dem internationalen Kundenportfolio sei Dank, wie die Bilanzen der Vorwoche belegen. Sowohl das Dorotheum (25.-29.11.) als auch im Kinsky (26.-28.11.) zelebrierten ihr Saisonfinale, die einen mit der vierten und letzten Auktionswoche des Jahres, die anderen im Zeichen des 20-jährigen Gründungsjubiläums mit der 98. Kunstauktion. Da wie dort notierte man am Ende teilweise lahme Verkaufsquoten, jedoch gemessen an den nach drei bzw. fünf Werktagen verzeichneten Umsatzzahlen neue Bestwerte. Auch weil manch moderat taxiertes Kunstwerk zu hitzigen Bietgefechten und in der Folge zu unerwartet hohen Zuschlägen führte.

Beispielhaft dafür: eine St. Petersburger Schnupftabakdose mit dem Konterfei Zar Peter des Großen (4000-6000), für die sich ein amerikanischer Käufer im Dorotheum bei 55.200 Euro durchsetzte. Im Kinsky mutierte dagegen ein wegen seiner Form als "Steigbügelring" bezeichnetes byzantinisches Schmuckstück zum Star: Statt der erwarteten 25.000 Euro war einem amerikanischen Museum der Ring aus dem 11. Jahrhundert stolze 189.000 Euro wert.

Punkto Absatzquote schnitt Zeitgenössisches in der Gunst des Publikums aktuell am besten ab. Das stärkste Aufgebot hatte das Dorotheum an den Start geschickt: 324 Positionen, die in zwei Tranchen zur Verteilung gelangten, wobei 60 Prozent schließlich auch den Besitzer wechselten und mit brutto 7,35 Millionen Euro (inkl. Aufgeld, exkl. Folgerecht) für einen Umsatzrekord sorgten. Den höchsten Wert bewilligte ein Franzose mit 1,07 Millionen für Lucio Fontanas Schlitzwerk Concetto Spaziale Attesa (68 T 77). Mit 62 Positionen war die Kinsky-Offerte eine in Umfang deutlich überschaubarere: 64 Prozent verteilte man dort zum Gegenwert von 1,9 Millionen Euro. Den höchsten Zuschlag erteilte man einem österreichischen Privatmuseum, das sich Fritz Wotrubas posthumen Guss einer großen stehenden Figur (1962) für 239.400 Euro aus dem Angebot fischte.

An der Freyung summierten sich die Besitzerwechsel auf vorerst 8,3 Millionen Euro. Inklusive der unter Vorbehalt erteilten Zuschläge (netto 948.400) und dem Nachverkauf könnte man am Ende womöglich die beste Auktion in der Geschichte des Unternehmens vermelden.

Im Dorotheum lag das Ergebnis Ende vergangener Woche bei 15,84 Millionen Euro, womit der 2013 allein in vier Auktionswochen eingespielte Umsatz bei 58,7 Millionen Euro und damit bei einem neuen Rekord notiert. (kron, Album, DER STANDARD, 7./8.12.2013)

  • Lucio Fontanas 1,07 Mio. Euro teures "Spaziale Attesa".
    foto: dorotheum

    Lucio Fontanas 1,07 Mio. Euro teures "Spaziale Attesa".

  • Bald schon in einem heimischen Privat- museum zu bewundern: Fritz Wotrubas posthumer Guss einer großen stehenden Figur, die für knapp 240.000 Euro den Besitzer wechselte.
    foto: im kinsky

    Bald schon in einem heimischen Privat- museum zu bewundern: Fritz Wotrubas posthumer Guss einer großen stehenden Figur, die für knapp 240.000 Euro den Besitzer wechselte.

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