Analyst: "Verstehe nicht, wieso Nintendos Chef noch einen Job hat"

6. Dezember 2013, 11:04
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Michael Pachter setzt harsche Kritik an Exklusiv-Strategie des Konzerns fort

Dass Nintendo mit der Wii U selbst ein Jahr nach dem Marktstart noch keine nennenswerten Erfolge erzielen konnte, zeigen die Zahlen. Lediglich etwas mehr als vier Millionen Konsolen wurden in den vergangenen 12 Monaten abgesetzt - ein Großteil davon in den ersten Monaten ihres Bestehens. Nach der lautstarken Kritik seitens zweier Spielentwickler hat nun auch Wedbush Morgan-Analyst Michael Pachter neuerlich die Strategie des Konzerns in Frage gestellt und dabei vor allem Nintendo-Chef Satoru Iwata angegriffen.

Enttäuschende Zahlen

Bei all der Aufregung um die neue Konsolengeneration rund um PlayStation 4 und Xbox One habe es die Wii U schwer, Aufwind zu erhalten. Die bisherige Bilanz sei Pachter zufolge "enttäuschend". Es sei zwar möglich, aber "unwahrscheinlich", dass neue Werke für die Konsole die Nachfrage bedeutend steigern. Dies ist aktuell am exzellenten "Super Mario 3D World" zu sehen, das im Vergleich zu seinen Vorgängern schlechter in den Markt startete und in der ersten Woche bei vier Millionen Wii U-Spielern nur 380.000 Exemplare verkaufen konnte. Problematisch dabei war auch, dass Nintendo den Veröffentlichungszeitpunkt zum Europa-Start der PS4 ansetzte.

Änderungsbedarf

Für Pachter verblüffend sie, weshalb Nintendo angesichts der Schwierigkeiten keine neuen Absatzmöglichkeiten ins Auge fasst und seine Spiele bzw. zumindest ältere Werke für mehrere Plattformen wie Smartphones und Tablets zur Verfügung stellt. Damit könnte man nicht nur enorme Einnahmen generieren, sondern auch Millionen neue Fans gewinnen, die heute ohne Nintendo-Konsole aufwachsen. Dass der japanische Hersteller seit Jahren zusieht, wie ihm konkurrierende Systeme das Wasser abgraben, sei dem Analysten zufolge in erster Linie die Schuld des amtierenden Nintendo-Präsidenten. "Ich verstehe nicht, wieso Iwata noch immer einen Job hat", so Pachter über Iwatas Entscheidung, neue Geschäftsfelder zu ignorieren, während der Handheld-Markt zusehends schrumpft und die Wii U nicht aus den Startlöchern kommt.

Was sagt Nintendo?

Parallel zu Pachters Aussagen gab Nintendo-of-Amerika-Chef Reggie Fils-Aime gegenüber Forbes ein optimistischeres Bild wieder. Zum einen glaubt Fils-Aime, dass das Software-Portfolio der Wii U und des 3DS diese Weihnachten stark genug ist, um gegen die neuen Konsolen von Sony und Microsoft zu bestehen. Und zumindest die Verkaufszahlen Nintendos Handheld-Konsole stützen diese Aussage. Gleichzeitig weist Fils-Aime darauf hin, dass in der Vergangenenheit nicht unbedingt die leistungsstärksten Konsolen, letztlich die größten Erfolge verzeichnen konnten. "Interessant ist, wenn man die letzten zwei Hardwarezyklen betrachtet, dass nicht die stärksten Maschinen gewonnen haben. Das war bei der PS3 so und auch bei der Wii." Was der Nintendo-Manager allerdings auslässt ist, dass sowohl PS2 als auch Wii gleich zu Beginn ihrer Konkurrenz davonzogen. Bei der Wii U zeichnet sich dieser Trend nicht ab. (zw, derStandard.at, 6.12.2013)

  • Nintendo-Chef Satoru Iwata kommt nicht aus der Kritik.
    foto: reuters/yuriko nakao

    Nintendo-Chef Satoru Iwata kommt nicht aus der Kritik.

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