Resignation, Designation, Badenation

5. Dezember 2013, 19:08
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Nur die Schwimmer bringen einen Verbandstag zustande, der für solches Aufsehen sorgt. Der neue Präsident soll Miklauz heißen

Wien - Fortgesetztes Chaos oder Trendwende? Ein sogenannter Verbandstag soll Österreichs Schwimmverband (OSV) den Weg weisen. Am Samstagvormittag kommen die Vertreter der 87 stimmberechtigten Vereine im Wiener Hotel Marriott zusammen, um einen neuen Verbandspräsidenten zu küren. Die Wahl ist notwendig geworden, nachdem Christian Meidlinger offiziell aus privaten Gründen und de facto wegen der OSV-Wickel mit Dinko Jukic zurückgetreten war.

Seither führt Vizepräsidentin Birgit Fürnkranz-Maglock die Geschäfte, anfänglich schien sie auch willens, die Führungsrolle auf Dauer zu bekleiden. Mittlerweile schließt sie eine Kandidatur aus und kündigt ihren Rückzug an. "Im Präsidium ist man nicht bereit", sagt Fürnkranz-Maglock dem Standard, "aufzuklären, was aufgeklärt werden müsste." Die OSV-Geschäftsgebarung seit 2004 ist strittig, ein heftig kritisierter Finanzreferent trat mittlerweile zurück, anonyme Anzeigen und parlamentarische Anfragen stehen im Raum.

Schwere Neugeburt

Kein Wunder, dass sich kaum jemand findet, der sich zutraut, die OSV-Misere zu beenden. Udo Huber, der ehemalige Sportklub-Präsident und Mr. Hitparade, hat seine Kandidatur zurückgezogen und ähnlich wie Fürnkranz-Maglock argumentiert. Der OSV ist für Huber ein "Intrigantenstadl der Sonderklasse". Fürnkranz und Huber fordern quasi unisono "einen Neubeginn mit einem neuen Führungsteam".

Der OSV-Vorstand hat sich jedenfalls auf einen eigenen Kandidaten verständigt. Stefan Miklauz gründete 2003 gemeinsam mit Niki Lauda das Mietwagen- und Werbeunternehmen LaudaMotion, seit 2009 heißt es EasyMotion, Miklauz ist Alleineigentümer. Mit dem Schwimmsport verband den 34-Jährigen bis jetzt nicht viel, doch wird er unter anderem vom starken steirischen Landesverband (LSV) unterstützt, dem OSV-Vize Peter Putzgruber vorsteht. Auf der LSV-Homepage wird Miklauz als "designierter OSV-Präsident" ausgelobt. Daran stoßen sich Kritiker ebenso wie an der Tatsache, dass Miklauz bereits an Sitzungen der OSV-Führung teilnahm.

Von designiert kann keine Rede sein, da noch am Verbandstag ein Gegenkandidat aufstehen könnte. Wie die in der OSV-Causa gut informierte Plattform laola1.at meldet, wünschen sich viele Funktionäre eine Alternative. Ob David Ungar-Klein, der gegen Meidlinger den Kürzeren zog, eine solche sein kann? Der Gründer und Veranstalter des Kongresses com.sult ist vielleicht sogar zu, nun ja, gut vernetzt. Ungar-Klein nahm laut Presse 2007 eine Jagdeinladung Alfons Mensdorff-Pouillys an.

Causa Jukic

Bleibt also vielleicht wirklich nur Miklauz. Er wirft Fürnkranz-Maglock "völliges Versagen" vor, will Kommunikation und Strukturen verändern, hat über eine neue Agentur bereits zum Pressegespräch nach dem Verbandstag geladen. Man kann das durchaus selbstbewusst nennen. Auch mit Peter Schröcksnadel, dem Chef des Bundesförderprogramms Rio 2016, hat Miklauz telefoniert. Angeblich will er, dass jener Deal, der mit Dinko Jukic hinsichtlich Ruhendstellung diverser Klagen erzielt wurde, auch jene Klage miteinschließt, die der Verein von Jukic-Vater Zeljko, SC Austria Wien, gegen seinen Ausschluss aus dem Verband eingebracht hat. Thomas Krankl, Anwalt von Dinko Jukic, kündigt eine Schadenersatzklage an, sollte Jukic um Förderungen umfallen. Die Schwimmnation droht quasi zur Badenation zu verkommen. Witziges Detail: Da das Verfahren offen ist, kann Dinko Jukic als Austria-Delegierter am Verbandstag mitstimmen.

Wie der Standard zuletzt erfahren hat, will der OSV weiterhin zur Abmachung mit Jukic stehen. Nur weiß halt derzeit nicht einmal der Standard, wer oder was der OSV eigentlich ist. Fortsetzung folgt. (Fritz Neumann, 06.12.2013)

  • Konfusion ums Becken.
 
    foto: ap/tyrin

    Konfusion ums Becken.

     

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