Antiziganismus: Internet zentraler Ort der Hetze

5. Dezember 2013, 18:15
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Der Verein Romano Centro dokumentiert in einem Report 82 rassistische Vorfälle gegen Roma und Sinti. Kritisiert werden auch Stereotype in den Medien

Wien – Mit "Zigeuner raus!" -Parolen gingen im Jahr 2009 Jugendliche einer Osttiroler Gemeinde auf eine durchreisende Romafamilie los. Erst im September dieses Jahres wurde eine ebensolche in Bischofshofen von einer Gruppe junger Erwachsener attackiert. In einer Facebook-Gruppe hatten sie sich vor dem Angriff aufgehetzt, eine Person forderte sogar die "Endlösung" .

Diese und andere Fälle sammelte der Verein Romano Centro in einem aktuellen Bericht zu "Antiziganismus in Österreich" , der am Donnerstag vorgestellte wurde.

Stereotype Bilder

Darin werden 82 rassistische Vorfälle der vergangenen acht Jahre gegen Menschen, die als "Zigeuner"  wahrgenommen werden, dokumentiert. Dabei hat sich gezeigt, dass die stereotype Darstellung nach außen in jüngster Vergangenheit zugenommen hat, sagte Claudia Schäfer von der Antirassismusstelle Zara. "Diese Entwicklung ist beängstigend."

Kern des stereotypen Bildes ist die Vorstellung, dass "Zigeuner"  nicht zivilisiert sind und sich nicht in die Gesellschaft integrieren wollen, sagte Andrea Härle von Romano Centro. Andere Zuschreibungen sind Heimatlosigkeit und eine parasitäre Lebensweise, also dass sie betteln und stehlen würden. Von diesen Vorurteilen besonders betroffen seien Roma und Sinti.

Eine Auswahl

Die in dem Bericht gesammelten Fälle sind aber nur eine Auswahl rassistischer Vorfälle gegen Roma und Sinti. Die Dunkelziffer liegt viel höher, sagt Ferdinand Koller, Redakteur des Berichts. Dokumentiert wurden unter anderem Beleidigungen und Hetze im Internet, aber auch Diskriminierung am Arbeitsplatz oder beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen. Kritik übten die Initia­toren des Berichts auch an der stereotypen Darstellung von Roma in Zeitungen oder im Fernsehen. "In den Medien wird ein einseitiges Bild vermittelt. Das hat dazu geführt, dass die Begriffe Bettler und Roma schon fast zu einem Synonym geworden sind" , sagt Koller.

Auch die Berichterstattung über den "Fall Maria" , ein blondes Mädchen aus einer Roma-Siedlung in Griechenland, habe dazu geführt, das alte Vorurteil, Roma würden Kinder stehlen, wiederzubeleben. Er appellierte an Journalisten, künftig vorsichtiger mit ethnischen Zuschreibungen umzugehen. Denn vor allem die Onlineplattformen von Zeitungen seien ein "zentraler Ort der Hetze, Beleidigungen und Beschimpfungen" , so Koller.

Bislang wurde zum Thema Antiziganismus in Österreich kaum geforscht, erklärt Härle. Auch wisse man nicht, wie viele Roma tatsächlich in Österreich leben. Einige Schätzungen würden von 25.000 in ganz Österreich, andere von bis zu 80.000 allein in Wien ausgehen.

Kein "Generalkonzept"

Der Bericht soll nun alle zwei Jahre erscheinen, um in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit zu schaffen. Außerdem soll Betroffenen mithilfe des Berichts gezeigt werden, dass sie sich gegen Diskriminierungen wehren können. Zwar gebe es laut Härle kein "Generalkonzept"  gegen Antiziganismus, wichtig sei aber, die Fälle gerichtlich zu behandeln. Zum Fall in Bischofshofen läuft ein Ermittlungsverfahren. Die Untersuchungen im ähnlichen Fall in Osttirol wurden eingestellt. (Elisabeth Mittendorfer, DER STANDARD, 6.12.2013)

  • Romano Centro kritisiert die Berichterstattung über das blonde Roma-Mädchen Maria.
    foto: reuters

    Romano Centro kritisiert die Berichterstattung über das blonde Roma-Mädchen Maria.

  • Studie: Antiziganismus in Österreich.

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