Lehrer: "Verzagt nicht! Es gibt viele, die auf unserer Seite sind"

Reportage5. Dezember 2013, 17:36
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derStandard.at besuchte Dienststellenversammlungen bei Lehrern in Wien und Bregenz

Wien, Gymnasium Albertgasse

Die Freude der Schüler ist groß. Zwei Stunden ist die Schule heute früher zu Ende. Der Grund ist nebensächlich. Die Lehrer sehen das natürlich anders. Das Gymnasium Albertgasse in Wien hat sich dazu entschlossen, die Dienststellenversammlung der Lehrer, wo über das neue Lehrerdienstrecht informiert werden soll, in die letzten beiden Unterrichtsstunden zu legen. Der "Unterricht soll so wenig wie möglich beeinträchtigt" werden, sagt Direktor Roman Wolf. Die Eltern wurden in einem Brief vorab informiert, Betreuung für die zwei Stunden ist gewährleistet.

Die Lehrer an der Schule betrifft das neue Lehrerdienstrecht nicht. Es soll erst für Lehrer ab dem Jahr 2019/2020 in Kraft treten. Trotzdem ist die Stimmung bei der Versammlung emotional. Schüler und Eltern sind der Einladung nicht gefolgt, das Lehrerkollegium ist aber fast vollständig vertreten. "Es geht uns alle an", sagt Gerhard Macho, Gewerkschaftsvertreter an der Schule. Die Lehrer fühlen sich in der Öffentlichkeit falsch dargestellt. Es werden immer nur die zwei Stunden Mehrarbeit thematisiert, nicht aber, dass sich durch das neue Dienstrecht das Schulsystem grundlegend ändert. Es werde ein Sparpaket als Bildungsreform verkauft, das sei grundlegend falsch. Macho beruhigt: "Verzagt nicht! Es gibt viele, die auf unserer Seite sind."

"Das Lehrerbild ist falsch"

Während über das gewerkschaftliche Horrorszenario - Lohnverlust, All-in-Verträge und Stellenabbau – geredet wird, nutzen einige Lehrer und Lehrerinnen die Zeit für Nebenbeschäftigungen: stricken, Unterrichtsmaterial ausschneiden oder am iPad spielen. Aber nicht bei allen kommt die Gewerkschaft gut an. Sonja Vukisevits, Lehrerin für Biologie, Informatik und Physik, findet, dass die Standesvertretung sich mehr für das Image der Lehrer einsetzen hätte können. "Ich ärger mich über die Gewerkschaft", empört sie sich. Seit 25 Jahren unterrichtet sie, am Anfang hätte sie das Lehrerbild in der Öffentlichkeit noch nicht so getroffen, heute sieht sie das anders. Das Auftreten der Lehrergewerkschaft beim Lehrerdienstrecht sieht sie weniger kritisch, denn um etwas zu erreichen, müssten sie so auftreten. Das Image in der Öffentlichkeit ist auch für eine andere Lehrerin Thema. Das Lehrerbild sei falsch, sagt sie: "Es hat keinen Sinn zu informieren, wenn wir am Ende immer als Betonierer dastehen."

Lohn und Mehrarbeit sind aber nicht die einzigen Themen, die an diesem Vormittag die Gemüter erhitzen. Nach dem neuen Dienstrecht müssen Lehrer innerhalb von fünf Jahren ihren Masterabschluss nachholen. Braucht ein Lehrer länger, sei er jederzeit kündbar, kritisiert ein Junglehrer. Besonders erschwerend: Das Studium dürfe nicht mit der Unterrichtszeit kollidieren.

Streik kommt nicht infrage

Auch über weitere Maßnahmen wird diskutiert. Ein Streik kommt für Direktor Wolf nicht infrage, weil ja der Unterricht dann entfallen würde. Auch für die anderen Lehrer steht ein Streik nicht zur Disposition: "Es ist eine Maßnahme, aber nur die Letzte." Bei der Dienststellenversammlung wird mit einer Demonstration – außerhalb der Arbeitszeit – geliebäugelt. Aber auf mehr Zustimmung und Belustigung stößt der Vorschlag, fachfremden Unterricht abzuhalten. Das verleitet die Junglehrer in der vorletzten Reihe zum Scherzen. "Cool, dann mach ich Französisch und Mathematik." Auch "Dienst nach Vorschrift" wird angeregt. "Da sitze ich dann zu Hause mit einer Stoppuhr und höre nach 40 Stunden auf zu arbeiten", sagt ein Junglehrer. Räumt aber gleich ein: "Das wird dann aber wieder auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, und wir wissen, dass wir das nicht tun." (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 5.12.2013)

Link: Zur Reportage aus Bregenz

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