Abrupte Klimaänderung wanderte nur langsam Richtung Norden

8. Dezember 2013, 17:50
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Regional schneller Temperaturanstieg in Mitteleuropa brauchte 120 Jahre, bis er in Südnorwegen wirksam wurde

Klimaveränderungen können auf regionaler Ebene unerwartet schnell ablaufen, auf der Nord-Südachse jedoch mit einem zeitlichen Abstand von über 100 Jahren auftreten. Dies hat nun ein deutsch-britisches Wissenschafterteam bei Untersuchungen in Westdeutschland und Skandinavien nachweisen können.

Die Forscher um Christine Lane von der Universität Oxford und Achim Brauer vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ kamen in der Eifelregion einer sprunghaften Erwärmung am Ende der letzten Vereisungsphase vor über 12.000 Jahre auf die Spur. Hinweise auf einen vergleichbaren Temperaturanstieg fanden die Wissenschafter auch im Süden des heutigen Norwegens, dieser fand allerdings mit einer Zeitdifferenz von 120 Jahren statt.

Datieren ließen sich die Klimaereignisse durch die Spuren einer Vulkaneruption. "Vor 12.140 Jahren gab es einen mächtigen Ausbruch des Katla auf Island", erklärt Brauer. "Die Asche aus diesem Ausbruch hat sich über weite Teile Nord- und Mitteleuropas verteilt, als feinste Aschepartikel finden wir sie in den Seeablagerungen aus dem Meerfelder Maar in der Eifelregion wieder. Durch Auszählung von Jahreslagen können wir das Alter der Asche sehr genau bestimmen." Damit ist diese Ascheschicht eine eindeutige Zeitmarke im Sediment des Sees in der Eifel. Im Krakenes-See in Südnorwegen fand sich zur selben Zeit ein ähnliches Muster.

Präzise Klimaarchive

Seesedimente sind darüber hinaus sehr präzise Klimaarchive, denn darin finden sich jahreszeitliche Ablagerungen als Schichten wieder, ähnlich wie Baumringe. "Die Fleißarbeit besteht darin, jetzt tausende von einzelnen Ablagerung unter dem Mikroskop abzuzählen und auszuwerten", so Brauer, "um damit das vergangene Klima Jahr für Jahr bis weit in die Vergangenheit rekonstruieren."

Die Asche des Katla-Vulkanausbruchs lagerte sich also zum gleichen Zeitpunkt in der Eifel und in Südnorwegen ab. Bezogen auf diese eindeutige Zeitmarke zeigten die See-Sedimente der Eifel eine rasche Erwärmungsphase gegen Ende der Jüngeren Dryas 100 Jahre vor der Aschelage, in Südnorwegen hingegen 20 Jahre nach der Aschelage.

Wertvolle Daten für die Klimaforschung

Die markante Zeitdifferenz erklären die Forscher über die Verlagerung der Windsysteme. "Die Klimaänderung ging regional sehr schnell vonstatten, aber die Polarfront, also die atmosphärische Trennfläche zwischen der Polarluft und der Luft der mittleren Breiten brauchte über 100 Jahre für ihren Rückzug von der geographischen Breite der Eifelmaare bei 50 Grad auf ihre Lage in Südnorwegen bei 62 Grad," meint Brauer. Also eine schnelle Änderung, die langsam nach Norden wanderte.

Das Ergebnis kann weitreichende Auswirkungen auf Forschung für sowohl das vergangene wie das zukünftige Klima haben. Die Annahme einer überall zeitgleich ablaufenden Änderung ist nicht immer gegeben und Klimamodelle müssen solche regionalen Aspekte stärker berücksichtigen. (red, derStandard.at, 08.12.2013)

  • Im Meerfelder Maar in der Eifelregion fanden Klimaforscher Hinweise auf eine plötzliche Klimaänderung vor 12.240 Jahren. In Südnorwegen erwärmte sich das Klima erst 120 Jahre später.
    foto: gfz/tourist information manderscheid

    Im Meerfelder Maar in der Eifelregion fanden Klimaforscher Hinweise auf eine plötzliche Klimaänderung vor 12.240 Jahren. In Südnorwegen erwärmte sich das Klima erst 120 Jahre später.

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