"BioShock"-Erfinder: Games haben Pflicht zu zeigen, wie jemand erschossen wird

5. Dezember 2013, 12:14
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Ken Levine zufolge müssen Kunstformen das verschleierte Bild der Nachrichten vervollständigen

Durch Medien wie TV und Internet sind die Kriegsschauplätze der Gegenwart und Vergangenheit in unsere Wohnzimmer gerückt: Nachrichten zeigen die Schrecken der Welt. Für Ken Levine, Erfinder der Videospielserie "BioShock", zeigen diese Nachrichten und Dokumentationen aber nicht genug, um sich ein authentisches Bild von der Wirklichkeit machen zu können.

Ungeschönte Wahrheit

In den Zeiten unmittelbarer Gewalt in Form von Bombenanschlägen und amoklaufenden Schülern liege es an Kunstformen wie Games, um zu vervollständigen, was in den Medien nicht hergezeigt wird. "Eine der Pflichten von Kunst ist zu zeigen, wie es aussieht, wenn jemand erschossen wird, da es in Nachrichtenbeiträgen zu Krieg und Gewalt wirklich verschleiert wird", sagt Levine gegenüber Boston Magazine. "Beim Krieg geht es darum, Metallstücke mit hoher Geschwindigkeit an Menschen zu richten und diese in Stücke zu reißen."     

Gewalt als Werkzeug

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Designer und Autor zu Gewalt in Medien äußert. Im Dezember vor einem Jahr wurde Levine nach dem "Sand Hook"-Amoklauf, bei dem 20 Kinder und sechs Erwachsene ums Leben kamen, zu Brutalität in Videospielen befragt. Damals erklärte er, dass "Gewalt, im Guten wie im Schlechten, ein Teil des Werkzeugkastens eines Geschichtenerzählers ist". 

In seinen Spielen greift Levine unter dem Deckmantel der Utopie auch abseits physischer Gewalt ernste Themen wie Rassismus auf, die andere Hersteller meistens scheuen. Aktuell arbeitet er an dem Drehbuch zur Neuauflage des Sci-Fi-Films "Logan's Run" (Warner Bros.) aus dem Jahr 1976. Der Geschichte nach müssen Menschen im Jahr 2116 darauf einwilligen, mit 21 Jahren exekutiert zu werden, um das Bevölkerungswachstum kontrollieren zu können. Über sein nächstes Spiel habe Levine indes noch nicht nachgedacht, (zw, derStandard.at, 5.12.2013)

  • Szene aus "BioShock Infinite"
    foto: irrational games

    Szene aus "BioShock Infinite"

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