Der Tod ist ein Lavastrom in Kampanien

4. Dezember 2013, 18:02
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"Pompeji - Leben auf dem Vulkan" in München

München - Am Anfang grüßt der Tod, als Mosaik, der, eine Weinkaraffe in jeder Hand, daran gemahnt, dass das kurze Leben zu genießen sei. Und das Leben war kurz. In Pompeji endete es für fast alle Einwohner im Jahr 79 n. Chr. "Man hörte Weiber heulen, Kinder jammern, Männer schreien": So schilderte Plinius der Jüngere die Katastrophe, die über Pompeji, die wegen der lieblichen klimatischen Bedingungen beliebte Stadt am Golf von Neapel, hereinbrach, als der Vesuv Lava ausstieß, rasch eine 27 Kilometer hohe Rauchsäule aufstieg und binnen 24 Stunden die Orte Herculaneum und Pompeji unter meterhohen Asche- und Bimssteinschichten fast vollständig begraben waren.

Mit dieser größten Naturkatastrophe, die Italien im Altertum heimsuchte, wie mit dem Nachleben Pompejis beschäftigt sich die mit 260 Exponaten opulent bestückte Ausstellung in München, die zusammen mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle konzipiert worden ist.

Der in zehn Kapitel gegliederte Rundgang ist didaktisch von zurückhaltender Unaufdringlichkeit und dabei ausnehmend informativ. Man sieht vor Blau, Ochsenblutrot, Dunkelgrün und im Schlussraum Hellgraubraun gestrichenen Wänden Schmuckstücke und das Modell einer "isola", einer Wohnanlage, die in etwa einem Straßenblock entsprach und bewohnt war von rund 1000 Menschen, wobei das detailliert gezeigte Haus des Menander, Heim einer reichen Familie, ein Haus im Haus war.

Man sieht Gladiatorenrüstungen und Fotoprojektionen - lediglich ein BBC-Film von 2004 mit nachgestellten Spielszenen mutet recht überflüssig an -, Abgüsse von Toten, Mosaikarbeiten, Skulpturen, ein nachgebautes Gartenzimmer mit anmutigen, lebendigen Fresken und ein extra für die nur an der Isar gezeigte Ausstellung restauriertes und erstmals öffentlich ausgestelltes, 24 Meter breites Nymphäum aus Massa Lubrense, eine Lustbrunnenkonstruktion.

Tod im "Paradies"

Der Parcours ist von großer dramaturgischer Klarheit. Er setzt ein mit der Historie und der Aktivitätsvorgeschichte des Vesuvs - im zweiten Raum verweist ausgegrabene Malergerätschaften darauf, dass Schäden, die 62 n. Chr. durch einen ersten starken Ausbruch entstanden waren, 17 Jahre später noch nicht ganz behoben waren. Dann geht es über Wohnen, Alltagsleben und Freizeitvergnügungen zum "Tod im Paradies", zur tödlichen Eruption.

Die Schau endet mit der Wiederentdeckung Pompejis Mitte des 18. Jahrhunderts durch den Gelehrten Johann Joachim Winckelmann wie mit dem modischen architektonischen Echo. In Aschaffenburg in Franken entstand beispielsweise ein Pompejanum, und im Park von Wörlitz wurde ein künstlicher Vulkan konstruiert, der noch heute Feuer speit. (Alexander Kluy, DER STANDARD, 5.12.2013) 

Bis 23. 2. 

Link

www.hypo-kunsthalle.de

  • Peristyl im Haus des Menander: Rekonstruiert wird das Modellanwesen einer pompejanischen Familie.
    foto: fotografica foglia

    Peristyl im Haus des Menander: Rekonstruiert wird das Modellanwesen einer pompejanischen Familie.

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