Leere Kinosäle, volle Internet-Streams

4. Dezember 2013, 15:04
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Seit den Sechzigern haben in Österreich Hunderte Kinos geschlossen. Früher konkurrierte das Kino mit dem Farbfernsehen, heute vor allem mit dem Internet

Wien - Ein Nachmittag im Kino: Der Ticketverkäufer verkauft den 90-minütigen Eintritt ins Traumland, in den Kinosälen herrscht jedoch gähnende Leere. Der Popcorn-Automat ist randvoll. An den Wänden wird zwar ausgiebig mit den neuesten Hollywood-Blockbustern geworben, dennoch bleiben die meisten Sitze in den Sälen leer.

Allein von 1960 bis 1977 schlossen in Österreich rund 700 Kinos - zur gleichen Zeit also, als erschwingliche Farbfernsehgeräte ihren Siegeszug durch die Wohnzimmer des Landes antraten. Das Kinosterben ging auch die nächsten Jahrzehnte weiter: Während es vor zwanzig Jahren in Österreich noch 260 Kinos gab, sind es mittlerweile nur mehr 157. Heutzutage gehen im Schnitt immerhin 17 Millionen Leute in die Kinos, die Kinobesuche sind in den letzten Jahren in etwa konstant.

Die kleinen Kinos in den Kleinstädten wurden größtenteils durch große Multiplex-Kinocenter ersetzt. Die Kinos sind dementsprechend über die Jahre nicht nur größer geworden, sondern bieten mit ihren vielen Sälen auch mehr Sitzmöglichkeiten und hohe technische Ausstattung für Hollywood-Fans.

In einer Wiener Fußgängerzone vor einem großen Multiplexkino befragten wir Jugendliche und Studierende über ihren Kinokonsum. Von den acht Befragten kannte jeder illegale Seiten, auf denen man Kinofilme und Serien kostenlos und meistens schon vor Ausstrahlung anschauen kann. Fünf von ihnen gaben auch zu, diese auch zu verwenden.

"Qualität ist das wichtigste"

Andi (21) und Tenka (22) begründeten dies damit, dass das Downloaden und "Streamen" eigentlich legal wäre und man sich nur mit dem Hochladen der Filme strafbar machen würde. Trotzdem waren sie sich darin einig, dass die Qualität von den Filmen im Internet nicht mit der im Kinosaal zu vergleichen ist. "Kino ist ein Mannschaftssport, da geht man nicht alleine hin", ergänzt Andi die kinematischen Vorzüge.

"Die Qualität des Filmes und die Handlung sind das Wichtigste", findet Marvin (13). Nur einer der befragten Jugendlichen geht mehr als einmal pro Monat ins Kino, die meisten nur jedes halbe Jahr im Schnitt.

Das Internet scheint dabei nicht der einzige Grund für leere Kinosäle zu sein: Für viele Befragte spielte auch Zeitmangel eine wichtige Rolle.

Fazit von unserer Umfrage ist: Ausschlaggebend ist schlussendlich der Film. Spricht sich herum, dass dieser eine langweilige Handlung hat, bleiben auch die Besucher aus - da kann es noch so viele Kinos in Österreich geben. (Marlene Beisser, Vivienne Sulger, DER STANDARD, 4.12.2013)

  • Das Internet ist für viele Jugendliche nicht der einzige Grund, warum sie immer öfter Kinosälen fernbleiben.
    foto: dpa/eriksan

    Das Internet ist für viele Jugendliche nicht der einzige Grund, warum sie immer öfter Kinosälen fernbleiben.

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