Arbeiterkammer fordert einheitliche Standards für Kinderbetreuung

4. Dezember 2013, 13:08
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Präsident Kaske: Gruppengröße und Betreuungsschlüssel sollen vorgegeben werden

Wien - Die Arbeiterkammer (AK) und die Gewerkschaften fordern in Zeiten der Regierungsbildung österreichweit einheitliche Qualitätsstandards bei den Kinderbetreuungseinrichtungen. Der internationale Vergleich zeige Handlungsbedarf, sagte Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. "Wir wollen, dass der Kindergarten zum Bildungsgarten wird."

Kaske bezog sich auf eine Studie des Instituts für Kinderrechte und Elternbildung im Auftrag der Arbeiterkammer, die mittels Literaturrecherche und Experteninterviews die rechtlichen Rahmenbedingungen für Kindergärten in sechs Ländern mit jenen in Österreich verglichen hat.

Nachteil Dezentralisierung

Im internationalen Trend seien die Bildungsministerien für die Kinderbetreuungseinrichtungen zuständig, in der EU sei das nur noch in Deutschland und Österreich nicht so. Ein grundsätzliches Problem sei, dass die Kinderbetreuung hierzulande Ländersache ist - diese Dezentralisierung bringe Nachteile bei der Qualität, meinte Kaske.

Die maximalen Gruppengrößen für Drei- bis Sechsjährige variierten zwischen 20 und 25 Kindern, das Betreuungsverhältnis inklusive Hilfskräfte liege zwischen 1:10 bis 1:17. "Die internationalen Empfehlungen erreicht Österreich nur zum Teil, und das nur unter Einbeziehung des Unterstützungspersonals." Hier setzt gleich nahtlos der nächste Kritikpunkt an, denn für die Hilfskräfte gebe es nur in fünf Bundesländern überhaupt eine Ausbildungsverpflichtung, wobei die wiederum zwischen 60 und 430 Stunden schwankt.

Standards für Gruppengrößen

Gemeinsam mit Vertreterinnen verschiedener Gewerkschaften forderte Kaske neben einem Bundesrahmengesetz für Standards zu Gruppengrößen oder Betreuungsschlüssel denn auch einheitliche Ausbildungsstandards für das Unterstützungspersonal. Außerdem müsse die Ausbildung der Pädagogen auf Hochschulniveau auf den Weg gebracht werden.

Ebenfalls auf der Wunschliste: Ein zweites verpflichtendes Gratis-Kindergartenjahr, mehr Kleinkindbetreuung, bessere Öffnungszeiten und ein einheitlicher Kollektivvertrag für den privaten Träger-Bereich. Kaske schlug auch vor, dass die Gemeinden Zuschüsse nach der Zahl der betreuten Kinder bekommen, ein entsprechendes Pilotprojekt solle bereits beim nächsten Finanzausgleich vereinbart werden.

Fachkräftemangel im Kindergarten

Weil die Anforderungen nicht mit den Rahmenbedingungen übereinstimmten, herrsche jetzt schon ein Fachkräftemangel im Kindergarten, warnte Karin Samer, Betriebsratsvorsitzende für den pädagogischen Bereich der Wiener Kinderfreunde: Viele gingen zum Beispiel gleich nach der Ausbildung oder nach kurzer Zeit im Job an die Uni, um zu studieren. Rund 900 Vollzeitstellen für Pädagogen seien derzeit nicht mit solchen besetzt, man gleiche das durch Hilfskräfte aus. In Zukunft müsse man mit einem noch größeren Mangel rechnen. Die Kollegen würden nur dann zurück ins Berufsfeld kommen und auch dauerhaft bleiben, wenn es endlich gemeinsame, gute Rahmenbedingungen gebe, betonte Samer.

Auch die nächste Regierung sei "gut beraten, unsere Vorschläge umzusetzen", sagte Kaske. Ob das geforderte Rahmengesetz nun in der Koalitionsvereinbarung stehe oder nicht, man werde auf die Umsetzung drängen. Kaske meinte, er gehe auch davon aus, dass die Zusage von vor dem Sommer, wonach in den nächsten vier Jahren jährlich 100 Millionen Euro in die Kinderbetreuung investiert werden, eingehalten werde. 

Unterstützung von Grünen

Unterstützung bekam die Arbeiterkammer von den Grünen. Familiensprecherin Daniela Musiol kritisierte in einer Aussendung, dass derzeit die Postleitzahl über die Qualität der Kinderbetreuung entscheide. "Wir wollen, dass Kindergärten in die Zuständigkeit des Bundes kommen, damit endlich klare Mindeststandards für die Qualität vorgegeben werden", sagte Musiol.

Die Bundesvorsitzende von "Frau in der Wirschaft", Adelheid Fürntrath-Moretti, forderte angesichts der Studie mehr Betreuungsplätze für unter 3-Jährige. Österreich hinke hier im EU-Vergleich hinterher. Das Ziel, dass 33 Prozent der Kinder in diesem Alter betreut werden, ist in Österreich noch lange nicht erreicht. Derzeit werden 21 Prozent der unter 3-Jährigen betreut. (APA, 4.12.2013)

  • Die Arbeiterkammer fordert ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr.
    foto: dpa/tirl

    Die Arbeiterkammer fordert ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr.

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