Clasen: "Mobile Hoffnung für etablierte Medien völlig überzogen"

Video4. Dezember 2013, 14:30
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Der Autor des Fachbuchs "Der digitale Tsunami" über verlegerischen Mut, den Appnexus-Deal mit United Internet Media und mobile Werbung

Nicolas Clasen, Medienberater und Autor des Fachbuchs "Der digitale Tsunami", hat in den letzten Wochen mit seinen Thesen für Aufregung gesorgt. Mit derStandard.at sprach er über verlegerischen Mut im Angesicht disruptiver Technologien, den Einsatz von Data-Driven-Advertising für Branding-Kampagnen und die überzogenen Hoffnungen in Bezug auf mobile Werbung.

Geht es nach Clasen, müssen etablierte Medienunternehmen im Angesicht der digitalen Revolution deutlich mehr unternehmerischen Mut an den Tag legen, als das bisher zu sehen war. "Wir bräuchten noch einmal einen Rudolf Augstein, der die neuen Technologien so fördert, dass es das alte Kerngeschäft kannibalisiert.", rät er zur Veränderung und gesteht aber gleichzeitig ein, dass diese Strategie ein hohes Risiko mit sich bringe und der eigenen Organisation schwer zu vermitteln sei.

Die Kannibalisierung soll laut Clasen nicht nur auf Inhalteebene anvisiert werden, sondern auch die Verteilung der Werbebudgets zugunsten des digitalen Kanals mit sich bringen. Ideal dafür ist seiner Meinung die Technologie des Data-Driven-Advertisings. 

Microsoft & Appnexus

Im Gespräch mit derStandard.at geht er dabei besonders auf den in Deutschland neuen Player Appnexus ein, der just am Interviewtag eine Kooperation mit United Internet Media (UIM) bekannt gab: "Die Vermarkter in den Dachmärkten haben in den letzten zwei Jahren klar gemacht, dasss man sich von so einer neuen Technologie nicht einfach überrollen lässt. Appnexus-Gründer Brian O'Kelley versucht jetzt eine weniger aggressive Tonalität anzuschlagen. Appnexus ist von Microsoft finanziert, das als strategischer Partner großes Interesse daran hat am Online-Werbemarkt zu partizipieren. Was wir sehen werden, ist dass Appnexus versuchen wird, sich neben Google und Facebook als dritte Werbeplattform für automatisierten Anzeigenhandel zu etablieren. Die Kooperation mit der Telekom und UIM ist natürlich auf der einen Seite sehr erfreulich, auf der anderen Seite sind das natürlich auch genau die, die immer schon stark vom Abverkaufswerbemarkt gelebt haben und die alles tun um gegen Google in diesem Bereich anzukommen."

Überschätzter Mobile-Markt

Dem Hoffnungsmarkt Mobile erteilt der Medienberater im Interview eine klare Abfuhr. Seiner Einschätzung nach sollten die Medienhäuser erst einmal den "Onlinekanal in den Griff" bekommen, anstatt auf die Versprechen von Firmen und Technologien zu fokussieren, die die Welt verändern wollen. Aus seiner Sicht ist Mobile für ein paar interessant, wird sich aber als Werbemedium mittelfristig nicht durchsetzen. (Tatjana Rauth, derStandard.at, 4.12.2013)

Nicolas Clasen hat am Dienstag im Rahmen des Werbeplanung-Konferenz "Big Data for Business" die Keynote gehalten. Der Autor und Medienberater sorgte in den vergangenen Wochen mit der Publikation seines Fachbuches "Der digitale Tsunami - Das Innovators Dilemma der traditionellen Medienunternehmen oder wie Data Driven Advertising den Medienmarkt auf den Kopf stellt" im deutschen Sprachraum für Diskussionen.

Nachlese

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