Kinder-Rehabilitation: Ärzte schlagen Alarm

4. Dezember 2013, 12:39
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Nur 52 Betten für bis zu 6000 junge Patienten: "Es ist eine Schande"

 Wien - Selbstbehalte und fehlende Therapieplätze für Kinder sind nicht das einzige Problem, warum Österreichs Kindergesundheit im Argen liegt. Auch in Fragen Rehabilitation schaut es traurig aus: kein Anspruch, aber 6000 Betroffene jährlich und nur 52 Betten. Zum Vergleich: Erwachsenen stehen mehr als 9000 Betten zur Verfügung, die "Wiedererlangung der Berufsfähigkeit" ist gesetzlich verankert. Nun schlagen Mediziner Alarm.

"Es ist eine Schande, dass wir noch nicht in der Umsetzung sind", sagte Wolfgang Sperl, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Salzburg. Er verwies auf Deutschland, wo es derzeit 8000 kindergerechte Reha-Betten gibt. Woran es bisher gekrankt hat, erklärte Primarius Reinhold Kerbl, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ): Bereits Ende der 1990er-Jahre habe es einen Reha-Plan gegeben, doch der sei in der berühmten Schublade verschwunden. "Und dass sich die Länder ihrer Verantwortung entziehen, ist besonders zynisch." Kinder-Reha sei eben "kein Geschäft, damit kann man nichts verdienen. Aber sie ist eine Notwendigkeit."

"Lebenslange Konsequenzen"

Da die Bedarfszahlen vorliegen, sehen die Mediziner die (kommende) Regierung gefordert: "Wir reden von 15 Millionen Euro pro Jahr - das ist in etwa so viel, wie Österreich alle drei Tage für die Verlustabdeckung der Hypo-Alpe-Adria ausgibt", rechnete Kerbl vor. "Ermöglicht man Kindern keine Rehabilitation, hat das lebenslange Konsequenzen", wie etwa Berufsunfähigkeit und gesellschaftliche Stigmatisierung.

Was für ein tägliches Drama das für betroffene Familien bedeutet, skizzierte Christina Peters vom St. Anna Kinderspital anhand eines Beispiels: Der zwölfjährige Martin aus dem Südburgenland leidet an einem bösartigen Tumor im Becken, es folgen Chemo und Operationen. Die Mutter ist geschieden und hat zwei weitere Kinder zu versorgen. Nach acht Monaten im Gipskorsett macht Martin seine ersten Schritte, wird jedoch nicht auf Reha geschickt, sondern nach Hause entlassen. Wäre Martin kein zwölfjähriger Krebspatient, sondern ein 55-jähriger, übergewichtiger Diabetiker, hätte er einen Anspruch.

"Lang genug gewartet"

"Politik und Verwaltung müssen zu einer Einigung kommen, damit wir endlich die ersten Standorte in Angriff nehmen können", forderte Markus Wieser, Gründer der "Initiative Kinderreha". 450 Betten seien erforderlich. "Die Versorgung steht außer Streit, alle Zahlen liegen am Tisch", sagte Wieser. Die Betroffenen hätten "lang genug gewartet", die Politik muss "endlich zeigen, dass sie kranke Kinder und ihre Angehörigen nicht mit ihren Sorgen und Nöten alleine lässt". (APA, derStandard.at, 04.12.2013)

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