Es ist gut, wenn Banken schrumpfen

Blog4. Dezember 2013, 11:16
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Auch in Österreich ist der Finanzsektor zu groß geworden und muss nun dringend Personal abbauen

Es ist schon seltsam, wenn die gleichen Gewerkschaften, die jahrelang gegen den aufgeblähten Finanzsektor wettern, sich dann empört zeigen, wenn Banken tatsächlich abspecken – in dem sie ihr Personal reduzieren. Die Reaktion von GPA-Chef Wolfgang Katzian auf die Abbaupläne von Bank- Austria-Chef Willibald Cernko („widerlich“) vergangene Woche bezog sich zwar speziell darauf, dass Cernko die Einsparungen mit der Bankenabgabe begründete. Aber die Botschaft war klar: Ihr Banken müsst bluten, aber das darf keine Jobs kosten.

Das geht natürlich nicht. Die Bankenabgabe, die die UniCredit-Tochter 97 Millionen Euro kostet, ist nicht allein daran schuld, dass die größte Bank des Landes bald 850 Mitarbeiter weniger haben wird, aber sie trägt dazu bei, dass die Bank sparen muss – ebenso wie die neuen Eigenkapitalvorschriften von Basel III, schärfere Regulierungen, das Wachstum des Online-Banking, Probleme in Osteuropa und die weltweite Finanzmarktkrise seit 2008.

Vorausschauendes Management

Dass die Banken immer noch Gewinne machen, heißt nicht, dass sie nicht Personal abbauen sollen. Die Gewinnmargen im Inland sind immer noch minimal. Und soll die Bank Austria etwa warten, bis sie Verluste schreibt und dann wieder dem Steuerzahler zur Last fällt?

Der recht drastische Personalkurs der Bank Austria ist vorausschauendes Management und wird dank der österreichischen Arbeitnehmerschutzgesetze nur wenige wirklich hart treffen. Aber gerade jungen Menschen muss es klar werden, dass sie im Finanzsektor in Zukunft viel weniger Jobchancen haben als früher.

Weltweite Schrumpfkur

Die Schrumpfkur der österreichischen Banken ist Teil eines globalen Phänomens. Überall müssen Finanzinstitute abspecken, Jobs abbauen und Entgelte reduzieren. Selbst die großen Investmentbanken zahlen ihrem Spitzenpersonal von Jahr zu Jahr etwas weniger, wenn auch immer noch zu viel. Die hohen Strafen, die nun in den USA und Europa wegen Vergehen aus früheren Jahren auferlegt werden, dürften diesen Prozess noch weiter beschleunigen.

Das ist auch gut so. In weiten Teilen der Welt, vor allem in Afrika und Asien, gibt es immer noch zu wenige Banken und Finanzdienstleister. Aber in Europa und den USA ist der Sektor seit den neunziger Jahren viel zu groß geworden, hat zu viele Leute beschäftigt und sie zu gut bezahlt.

Konterproduktive Tätigkeiten

Es gibt im Dienstleistungsbereich auch andere wenig produktive Branchen. Aber der Finanzsektor, wenn er einmal eine bestimmte Größe überschritten hat, ist nicht nur unproduktiv, sondern kontraproduktiv. Er schafft keine Werte, sondern verteilt nur um, und erzeugt auf der Jagd nach Renditen Risiken für die Gesamtwirtschaft. Er betreibt das, was Ökonomen „rent-seeking behavior“ nennen.

In manchen Staaten hatte das Wachstum des Finanzsektors gefährliche Ausmaße angenommen und führte dann zum Kollaps – etwa in Island und Zypern. Auch die Schweiz, Luxemburg und die Londoner City waren oder sind zu abhängig von ihren Banken. Allerdings können diese Plätze mit dem Schrumpfen besser umgehen.

Konsolidierung wurde verschoben

Österreich ist damit nicht vergleichbar. Aber auch bei uns sind die Banken seit Mitte der neunziger Jahre etwas zu groß und bedeutend geworden  - vor allem durch die Expansion in Osteuropa. Die einst großen Gewinne von dort konnten Verluste im Inland kaschieren und erlaubten es den Vorständen, die Konsolidierung und Filialschließungen herauszuschieben – auch um die Gewerkschaften nicht zu verärgern.

Das geht nun nicht mehr. Und deshalb erwartet den heimischen Bankensektor noch eine echte Rosskur. Der gesamte Volksbankensektor steht nach dem Kollaps seines Spitzeninstitutes ÖVAG zur Disposition. Die Zukunft der Bawag als eigenständiges Institut ist unsicher. Und müssen wirklich in jeder mittelgroßen Gemeinde eine Sparkasse und eine Raiffeisenbank am Hauptplatz stehen?

Die Zeiten, in denen die smartesten WU-Absolventen Aktienhändler und ehemalige Handelsvertreter unabhängige Vermögensberater wurden, sind vorbei. Es wird Aufgabe der heimischen Wirtschaft  sein, alternative Beschäftigungsfelder für all diese Menschen zu entwickeln. Dem Schrumpfen des Finanzsektors auch als Arbeitgeber sollte man sich jedoch nicht entgegenstellen. (Eric Frey, derStandard.at, 4.12.2013)

  • 850 Mitarbeiter baut die Bank Austria in den kommenden Jahren ab.
    foto: apa/hochmuth

    850 Mitarbeiter baut die Bank Austria in den kommenden Jahren ab.

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