Biomarker sollen Diagnose von Prostatakrebs verbessern

4. Dezember 2013, 10:51
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Neue Biomarker sollen künftig die Diagnostik von Prostatakrebs verbessern - Mediziner hoffen, dass dadurch Tumore früher erkannt, präziser klassifiziert und unnötige Operationen vermieden werden können

Leipzig - Ob ein Mann an Krebs der Vorsteherdrüse, dem Prostatakrebs, erkrankt ist, lässt sich mitunter schwer beantworten. - Denn bislang sind Ärzte meist auf Hinweise angewiesen, die ihnen das prostataspezifische Antigen PSA liefert. Ist die Vorsteherdrüse vom Krebs befallen, gibt sie dieses Protein verstärkt an das Blut ab. Der Test ist allerdings sehr ungenau. Liefert er erhöhte Werte, müssen die Patienten eine Biopsie über sich ergehen lassen. Dabei entnimmt der Mediziner mit einer Biopsie-Nadel mehrfach Proben des Gewebes und lässt sie vom Pathologen untersuchen.

Finden Mediziner bei der Biopsie bösartiges Tumorgewebe, wird meistens die Prostata entfernen. Zwar gibt es neben dem aggressiven Prostatakrebs auch eine Form, die sehr langsam wächst und unter Umständen nicht operiert werden müsste, allerdings lässt sie sich bisher nicht vom aggressiven, schnell wachsenden Tumor unterscheiden. Deshalb muss sich ein Großteil der Betroffenen auch einer Operation unterziehen. "Ein Teil dieser Eingriffe ließe sich eventuell vermeiden, wenn man einen Biomarker hätte, der verrät, um welche Art von Krebs es sich handelt", sagt Friedemann Horn von der Abteilung für Molekulare Immunologie an der Universität Leipzig. Der Begriff Biomarker bezeichnet dabei eine Messgröße, die anzeigt, ob ein Mensch oder ein Organ gesund oder krank ist - etwa Stoffwechselprodukte, bestimmte Proteine oder Nukleinsäuren.

Biomarker geben Aufschluss

Solche Biomarker wollen Forscher nun im Projekt "Ribolution" (Integrierte Plattform für die Identifizierung und Validierung innovativer RNA-basierter Biomarker für die Personalisierte Medizin) ermitteln. Im Fokus des wissenschaftlichen Interesses steht dabei die Suche nach Ribonukleinsäuren, kurz RNAs, die den biologischen Zustand von Zellen und Geweben besonders genau abbilden.

Doch woher wissen die Wissenschaftler, welcher Biomarker den Prostatakrebs frühzeitig anzeigt, oder welche RNA langsam wachsende Tumore von aggressiven unterscheidet? Um solche Biomarker zu finden, vergleichen die Wissenschaftler gesundes Gewebe mit Tumorgewebe. Ärzte des Universitätsklinikums Dresden lagern solche Proben seit 15 Jahren in flüssigem Stickstoff ein und dokumentieren den Krankheitsverlauf der Patienten - auch nach der Entlassung.

Bevor die Forscher diese Proben jedoch näher untersuchen konnten, mussten sie jede einzelne Gewebeprobe in 150 hauchdünne - nur wenige Mikrometer dicke - Schnitte zerteilten. Anschließend wurde diese Gewebeschnitte neu klassifiziert.

Ziel ist ein Biomarker-Testpaket

64 dieser Proben haben die Forscher nun "genomweit sequenziert", also jegliche RNA, die in den Proben vorkommt, analysiert und quantifiziert. Insgesamt wurden 300.000 RNAs entschlüsselt und bereits 4.000 RNAs identifiziert, die als Biomarker in Frage kommen. In einem weiteren Schritt werden diese noch einmal an einer größeren Patientengruppe nachgemessen, so dass sich die  Auswahl immer weiter einschränken lässt. "Die ersten Ergebnisse dieser Validierung haben uns begeistert", berichtet Horn. Der Experte hofft nun, dass einige der gefundenen Biomarker die Prostatakrebsdiagnose verbessern können.

Mittelfristiges Ziel des Forschungsprojektes ist es, ein entsprechender Biomarker-Assay entwickeln, um in wenigen Jahren ein marktfähiges Biomarker-Testpaket etablieren zu können. (red, derStandard.at, 4.12.2013)

  • Vollautomatisierte Anlage zur Validierung von Biomarkern.
    foto: fraunhofer ipa

    Vollautomatisierte Anlage zur Validierung von Biomarkern.

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