Symbole und Signalmotive

3. Dezember 2013, 21:58
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Oper in der Kaserne: "Der Kaiser von Atlantis"

Wien - Es ist ein eigenartiges, ein gewaltiges, beklemmendes - ein ideales Ambiente für dieses Werk. Viktor Ullmann hat seine Kurzoper Der Kaiser von Atlantis im "Vorzeigelager" Theresienstadt komponiert; ungefähr zur selben Zeit, 1941, wurde in der Maria-Theresien-Kaserne die Sporthalle gebaut.

Die Waffen-SS habe hier trainiert, erzählt Markus Kupferblum. 70 Jahre danach hat es der Wiener Regisseur und Theatermacher geschafft, mit seiner amerikanisch-österreichischen Produktion (Opera Moderne / Schlüterwerke) zu den ersten zivilen Nutzern dieser Stätte zu gehören. Und so passiert man am Haupttor die Wache mit dem Maschinengewehr, ohne seinen Pass abgeben zu müssen; ein mulmiges Gefühl aber will sich nicht verlieren, als man den riesigen, kahlen, von einigen Soldaten flankierten Exerzierplatz quert.

Bundespräsident Fischer, ein wichtiger Unterstützer dieses Projekts, hat die Premiere besucht; am Montagvormittag haben sich zur Schüleraufführung Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Verteidigungsminister Gerald Klug eingefunden. Klug spricht von den Aufführungen hier an diesem Ort als einem "wichtigen, richtigen und deutlichen Symbol", und schon hebt der Trompeter des Klangforum Wien an mit seinem Signalmotiv.

Der von Peter Kien gedichtete Handlungsgang beginnt: Kaiser Overall hat den Krieg aller gegen alle verkündet, der Tod sieht sich dadurch zum "Handlanger des Sterbens" profanisiert und verweigert seinen Dienst. Er nimmt seine Tätigkeit nur unter der Bedingung wieder auf, dass der Kaiser als Erster stirbt.

Die Musik (Dirigent: Rossen Gergov) und die größtenteils USSänger bieten unerhörte Intensität und Präzision, Kostüme und Maske beeindrucken mit ihrem Gothic Style à la Tim Burton auch Schüler in den vorderen Reihen sehr. Der Harlekin (Brian Downen) singt mit wunderschöner Tenorstimme: "Spät, Kindlein, spät, der Mann im Monde mäht. / Er mäht das Glück, er mäht es fort, / und kommt die Sonne, ist's verdorrt."

Die Schüler jubeln, die Minister auch, und die Sonne wärmt einem den Rücken durch die großen Fenster der Sporthalle. Sie bescheint jetzt glücklichere, offenere Zeiten als noch vor einem Menschenalter. (Stefan Ender, DER STANDARD, 4.12.2013)

  • Artikelbild
    foto: schlüterwerke/ sara gamarro
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