Und ewig knattern die Maschinengewehre

Ansichtssache3. Dezember 2013, 17:11
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Geschossen wird, bis die Magazine leer sind: "Mob City" ab Mittwoch im US-Fernsehen auf TNT Serie und ab Donnerstag mobil auf Sky Go und Sky Anytime.

Das Urgenre des Gangsterfilms feiert im Fernsehen seine Wiederbelebung in epischer Länge. Bei der Vermarktung nutzt der Sender dagegen höchst zeitgemäße digitale Dienste. 

foto: sky/tm, turner entertainment networks

Einmaleins des Gangsterfilms, Regel Nummer eins: Ein Geigenkasten ist niemals nur ein Geigenkasten. Regel Nummer zwei: Falls doch, dann ist dient das kleine Köfferchen nur der Tarnung. Weil, – so Regel Nummer drei – nie, wirklich niemals sind fidelnde Straßenmusikanten   einfach nur fidelnde Straßenmusikanten, ebensowenig wie in Kinderwägen unschuldige Neugeborene liegen. Das führt zu Regel Nummer vier: Geschossen wird, bis das Magazin leer ist.

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foto: sky/tm, turner entertainment networks

Streng nach den ewig gültigen  Vorgaben von Hollywoods Ganovenstreifen verfährt "Mob City", ab Mittwoch, beim US-Sender TNT, nur einen Tag später hierzulande bei den mobilen Abokanälen Sky Go und Anytime und ab 29. April im Abokanal TNT Serie auf Sky. Ein schweigsamer, undurchsichtiger Hauptakteur (Jon Bernthal), dazu jede Menge finsterer "Mobster" aus der Ära Bugsy Siegel (Edward Burns) und Mickey Cohen (Jeremy Luke) sowie die obligate geheimnisvolle Schöne (Alexa Davalos): Fesche Schurken, so weit das Auge reicht.

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Das bildstarke Serienepos stammt von Frank Darabont, der  mit der Zombieserie "The Walking Dead" sein Gespür für Effekte unter Beweis stellt. Für Auge und Ohr hält Darabont wieder einiges bereit, diesmal sind es weniger die garstigen Untoten als ein atemberaubendes Setting. Mit der schnörkellosen Story wirkt Mob City mitunter etwas zu effektverliebt: Nachts sind die Straßen der Wüstenstadt L.A. stets nass, Detective Joe trägt dann gern warme Wollsakkos.

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foto: sky/tm, turner entertainment networks

Darüber hinwegsehen kann man aufgrund des fesselnden Soundtracks des US-Musikers und Komponisten Mark Isham: Saxophon, Trompete und Kontrabass leisten ganze Arbeit. Dazu kommt ein ausgesprochen wohltuend anzuschauendes Ensemble, allen voran Jon Bernthal ("The Walking Dead"), das in den perfekten Roben der 1940er-Jahre durch ein Los Angeles voll zeitgemäßer Statussymbole wirbelt: Man achte auf die Krawattenmuster der Gangster!

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foto: sky/tm, turner entertainment networks

"Mob City" feiert das Alte, in Sachen Vermarktung geht die Serie aber neue Wege und zieht die Social-Media-Schraube noch fester: @MobCityTNT twittert seit Montag das Drehbuch der ersten Folge in 400 Kapiteln zu je 140 Zeichen, mit Fotos,  Kommentaren und Videos, inklusive Cliffhanger am Ende: Wer den Schluss sehen will, muss fernschauen.

Ihre analoge Fortsetzung findet die Werbekampagne in der Millionenmetropole: Seit zwei Wochen heißen am Flughafen Los Angeles riesige Plakate Besucher in "Mob City" willkommen. Bänke am Sunset Strip tragen die Aufschrift "Bugsy gehört diese Stadt". (Doris Priesching, DER STANDARD, 4.12.2013)

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