Kinder von Pflichtschulabsolventen liegen zwei Schuljahre zurück

3. Dezember 2013, 15:31
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Bildung der Eltern beeinflusst Leistungen stark - Schulsystem benachteiligt Schüler mit Migrationshintergrund

Die Pisa-Studie aus dem Jahr 2012 hat die bekannten Probleme im österreichischen Schulsystem ein weiteres Mal bestätigt. Schülerleistungen sind abhängig von der Bildung der Eltern, und vor allem Schüler mit Migrationshintergrund sind in der Gruppe der schwachen Schüler besonders oft vertreten. Es zeigt sich allerdings, dass auch hier der sozioökonomische Hintergrund der Eltern eine wichtige Rolle spielt. "Diese Erkenntnisse sind nicht neu", erklärte Christian Wiesner, Co-Direktor des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), bei der Präsentation am Dienstag.

Eltern geben Bildung weiter

Ein "Druckpunkt" – wie es Unterrichtsministerin Claudia Schmied bezeichnet hat – ist die Weitergabe der Bildung von Eltern an ihre Kinder. In Österreich hat der familiäre Hintergrund im Vergleich zu anderen Ländern einen relativ großen Einfluss. Schüler, deren Eltern maximal eine Pflichtschule abgeschlossen haben, erreichen um 104 Punkte weniger als Akademikerkinder. Dieser Unterschied entspricht mehr als zwei Schuljahren.

Insgesamt erreichten Schüler ohne Migrationshintergrund bei der Pisa-Studie in Mathematik um 60 Punkte mehr. Der Unterschied entspricht fast eineinhalb Schuljahren. Schüler mit Migrationshintergrund schneiden auch deshalb schlecht ab, weil sie in Familien leben, die überdurchschnittlich oft sozioökonomisch schlechtergestellt sind. Wenn man diese Zahlen "bereinigt" und annimmt, dass alle österreichischen Schüler denselben sozioökonomischen Hintergrund haben, reduziert sich die Kluft zwischen Migranten und Österreichern auf ein Schuljahr. Während sich die Migranten im OECD-Durchschnitt um elf Punkte verbessern konnten, sind ihre Leistungen in Österreich gleich geblieben. Der Migrantenanteil unter Österreichs Schülern hat sich allerdings seit 2003 von elf auf 17 Prozent erhöht.

Risikogruppe: Ein Drittel Migranten

Migranten sind zudem doppelt so oft in der "Risikogruppe" vertreten. Schüler, die dieser Gruppe angehören, können entweder gar keine oder nur sehr leichte Aufgaben lösen. In der Mathematik-Risikogruppe beträgt der Anteil der Migranten ein Drittel. In der Gruppe der leistungsstärksten Schüler wiederum haben nur sieben Prozent Migrationshintergrund.

Eine positive Entwicklung gibt es bei der aktuellen Pisa-Studie allerdings auch. Die Risikogruppe hat sich in allen drei Bereichen – also in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – verringert oder ist im Vergleich zu früheren Studien zumindest gleich geblieben. (Lisa Aigner, derStandard.at, 3.12.2013)

Wissen:

Die Pisa-Studie weist zwei Gruppen als Schüler mit Migrationshintergrund aus. Schüler, deren Eltern nach Österreich zugewandert sind, gehören der ersten Generation an. Zur zweiten Generation gehören jene, die in Österreich geboren sind und deren Eltern zugewandert sind.

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Beispiele aus dem Pisa-Test

  • Die Leistungen der Schüler in Österreich werden stark von der Bildung ihrer Eltern beeinflusst.
    foto: dapd/heimann

    Die Leistungen der Schüler in Österreich werden stark von der Bildung ihrer Eltern beeinflusst.

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