Teil zwei: Mythen ums Bockbier

Kolumne9. Dezember 2013, 17:38
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Der Bockbiermythen zweiter Teil: Flüssiges bricht das Fasten nicht - aber was sagt der Papst?

Dass Bockbier nur dem Namen nach mit Ziegen-, Gams- und sonstigen paarhufigen Böcken zu tun hat, sondern seinen Namen von der Stadt Einbeck hat, war hier schon Thema. Auch, dass die Bestimmung der Bierqualität mittels Lederhosenprobe eine Legende ist, wenn auch keine sehr fromme.

Und auch die folgende Legende ist weder fromm noch belegt: Im Mittelalter hätten deutsche Mönche Zweifel gehegt, ob sie in der Adventzeit (in der bis 1917 ein Fastengebot gegolten hat) Bier als "flüssiges Brot" trinken dürfen - und den in seinem Urteil unfehlbaren Papst befragt.

Kein Fastenbrechen

Dazu hätten sie ein Faß Starkbier nach Rom geschickt, im Vertrauen darauf, dass das Bier nach der langen Reise wohl sauer und untrinkbar am Bestimmungsort ankommen würde. Und tatsächlich habe der Heilige Vater gemeint, dass ein solches Getränk in der Fastenzeit zu sich zu nehmen eigentlich eine wahre Buße darstelle.

Daran stimmt erstens nicht die Unfehlbarkeit (die erst unter Pius IX 1870 zum Dogma wurde). Zweitens hätte niemand dem Papst bewusst Verdorbenes zum Kosten gegeben. Und drittens ist es eben eine schon im Mittelalter hoch geschätzte Eigenschaft von Starkbieren, dass sie nicht nur das Fasten nicht brechen, sondern durch Alterung eben nicht verderben, sondern besser werden. Vorausgesetzt, man hat die Geduld, sie auch wirklich lange reifen zu lassen. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 6.12.2013)

  • Der Stadt Einbeck hat das Bockbier seinen Namen zu verdanken - und nicht Ziegen-, Gams- und sonstigen paarhufigen Böcken.

    Der Stadt Einbeck hat das Bockbier seinen Namen zu verdanken - und nicht Ziegen-, Gams- und sonstigen paarhufigen Böcken.

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    foto: irina gavrich
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