Immer weniger Österreicher spenden immer mehr

3. Dezember 2013, 12:00
69 Postings

Zahl der Spender sinkt, das Gesamtvolumen ist aber neuerlich gestiegen - Im internationalen Vergleich keine "Spendenweltmeister"

Wien - Auch wenn die im Spendenbericht 2013 aufgeführten 510 Millionen Euro eine leichte Steigerung bedeuten (plus zwei Prozent), nur Grund zum Jubeln sah man beim Fundraising Verband Austria (FVA) heute, Dienstag, nicht. Denn die Zahl der Spender nimmt ab, und auch im internationalen Vergleich kann sich Österreich keineswegs rühmen, "Spendenweltmeister" zu sein.

63 Prozent der Österreicher greifen aktuell für andere in die Geldbörse. "Das bedeutet einen sukzessiven Rückgang", führte Bernhard Hofer, Geschäftsführer von Public Opinion, bei einer Pressekonferenz in Wien aus. Allerdings wird dies durch vermehrte Großzügigkeit ausgeglichen: Zahlte ein Spender im Vorjahr durchschnittlich 92 Euro, waren es heuer 110, wobei die Daten des Taifuns auf den Philippinen hier noch nicht enthalten sind. "Die Österreicher sehen die Not der anderen", erklärte sich FVA-Geschäftsführer Günther Lutschinger diese Entwicklung.

US-Amerikaner spenden zwölfmal mehr

Allerdings kann sich Österreich mit 60 gespendeten Euro pro Jahr und Kopf keineswegs als "Spendenweltmeister" bezeichnen. Mit diesem Wert bewegt man sich im internationalen Mittelfeld, während die Schweizer doppelt so viel spenden und die US-Amerikaner mit sage und schreibe 744 Euro die wahren Champions sind.

Ein Grund dafür mag sein, dass es hierzulande an Großspendern fehlt, wie Monica Culen von den Rote Nasen Clowndoctors ausführte. Sie wünscht sich, dass Stiftungen in Österreich endlich gemeinnützig aktiv sein können. Lutschinger wiederum begrüßte, dass die vor fünf Jahren ermöglichte Absetzbarkeit von Spenden durchaus Wirkung gezeigt habe. Gleichzeitig verlangte er von der Politik, die Absetzbarkeit auf Tierschutz, Kultur und Bildung zu erweitern.

Gerade beim Tierschutz könnte dies durchaus etwas bewirken: Denn nach Kindern (28 Prozent) sind diese Lebewesen bei 22 Prozent das beliebteste Spendenthema. An dritter Stelle finden sich mit je 13 Prozent Spenden zur Bekämpfung des Hungers in der Welt sowie für Obdachlose und sozial Benachteiligte.

Hilfe zur Selbsthilfe als starkes Motiv

Solidarität mit Notleidenden sowie Sympathie gegenüber der bedachten Organisation sind die stärksten Motive. Sehr gut kommen Projekte an, die den Fokus auf die Hilfe zur Selbsthilfe legen. Und ganz wichtig ist den Spendern die Sicherheit, dass die Hilfe auch wirklich ankommt.

Dies kann auch Michael Opriesnig, der Vorstandsvorsitzende von Nachbar in Not, garantieren. Er musste auf ein durchaus bewegtes Jahr zurückblicken: zunächst das Hochwasser in Österreich, dann der Dauerbrenner Syrien und zuletzt der Taifun auf den Philippinen.

Für Letzteren sind bis dato 2,1 Millionen Euro auf dem Konto von Nachbar in Not eingezahlt worden; viel, und zugleich wenig angesichts von 14 Millionen Menschen, die direkt betroffen sind, und einer Million beschädigter oder zerstörter Häuser. Und obwohl Spendenaufrufe für Kriegsgebiete in Österreich nicht allzu erfolgreich sind, wurden für Syrien bereits 4,5 Millionen Euro gesammelt - ebenso viele Personen befinden sich laut Opriesnig auf der Flucht. (APA, 3.12.2013)

  • Spendenweltmeister sind wir keine.
    foto: ap photo/thomas kienzle

    Spendenweltmeister sind wir keine.

  • Entwicklung des Spendenvolumens in Österreich.
    grafik: der standard

    Entwicklung des Spendenvolumens in Österreich.

Share if you care.