Warum Amazons Lieferdrohnen Unsinn sind

Kommentar3. Dezember 2013, 12:17
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Drohnenlieferung innerhalb einer halben Stunde funktioniert mit Amazons bestehendem Logistik-Modell nicht

Um 16 Uhr ein Buch bestellt, um 16.30 kommt die Bestellung schon beim Kunden an. Amazon zeichnet mit "Prime Air" eine Zukunft, in der Drohnen Pakete innerhalb kürzester Zeit liefern. Amazon-Chef Jeff Bezos will dieses Modell in vier bis fünf Jahren realisieren, wie er am Montag dem Sender CBS erklärte. Dem stehen jedoch nicht nur technische und regulatorische Hürden gegenüber, sondern auch die Frage, wie sich so ein Modell für Amazon rechnen würde.

Logistische Probleme

Amazon habe fünf Jahre gebraucht, um in Seattle die Lieferung am gleichen Tag umzusetzen, bevor der Dienst auf Los Angeles ausgedehnt wurde, führt Marcus Wohlsen von Wired an. Die Logistik des Unternehmens sei derzeit nicht für Tageslieferungen, geschweige denn Lieferungen innerhalb einer halben Stunde ausgelegt.

Lagerhäuser zu weit entfernt

Amazon betreibt große Warenhäuser abseits der Ballungszentren. Die Waren werden von den Lagern zu weiteren Verteilerzentren gebracht und gelangen von dort vom jeweiligen Botendienst zum Kunden. Eine Armada eigener Drohnen müsste die Waren aus einem näherliegenden Lager direkt zum Kunden bringen. Bis zu 16 Kilometer könnten die Drohnen laut Bezos zurücklegen. Große Lagerhäuser in Städten sind aber aufgrund der Mieten sehr kostspielig.

Nur kleine Lieferungen

Auch können die Amazon-Drohnen gerade einmal ein Gewicht von 2,5 Kilogramm transportieren. Damit ist die Belieferung mehrerer Kunden nicht realistisch. All das würde die Kosten für Amazon und den Kunden in die Höhe treiben. Außerdem ist fraglich, wie eine Zustellung innerhalb von 30 Minuten gewährleistet werden soll, wenn die Waren in den Lagern erst abgefertigt und die Drohnen damit noch beladen werden müssen.

Marketing-Gag? 

Warum also hat Amazon den Dienst schon jetzt angekündigt? Um einen reinen Marketing-Gag - wie von einigen Beobachtern und auch auf Twitter spekuliert wurde - dürfte es sich nicht handeln. Immerhin hat das Unternehmen einen Prototyp gezeigt. Und wie Google an den selbstfahrenden Autos forscht, ist es plausibel, dass Amazon neue Wege der Zustellung untersucht.

"Cyber Monday"

Der Zeitpunkt dürfte aber sehr wohl aus Marketing-Sicht gewählt sein. "Cyber Monday", der Montag nach Thanksgiving und dem "Black Friday", ist einer der wichtigsten Umsatztage für den Online-Handel. Mit seiner Ankündigung hat Amazon sichergestellt, seit Montag in den Medien und sozialen Netzwerken omnipräsent zu sein. Laut dem "Business Insider" entsprach allein der Beitrag auf CBS in etwa drei Millionen US-Dollar an Werbung. Ist es denkbar, dass irgendwann die Weihnachtseinkäufe per Drohne noch am selben Tag gebracht werden? Schon möglich, aber wohl kaum in dem Zeitraum, der Amazon vorschwebt. (Birgit Riegler, derStandard.at, 3.12.2013)

  • Die Amazon-Drohne liefert das Packerl beim Kunden ab.
    foto: amazon/youtube

    Die Amazon-Drohne liefert das Packerl beim Kunden ab.

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