Ein Märtyrer sucht seine Erfüllung

Kopf des Tages2. Dezember 2013, 19:15
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Thailands Oppositionsführer Suthep Thaugsuban will - wenn notwendig - für die Revolution sterben

Sein Leben würde er für die Revolution lassen. Wie sich das für einen Märtyrer eben gehört. Suthep Thaugsuban hat da allerdings ein Problem: Keiner will es ihm nehmen. Da kann der thailändische Oppositionsführer noch so zetern, weder die Regierung noch das Militär machen Anstalten, Gewalt gegen ihn anzuwenden. Und so steht auch sein Revolutionsplan auf der Kippe.

Dabei hat der 64-jährige Suthep einiges mit seinem Land vor. Von Korruption will er es befreien; von Politikern im Allgemeinen; und eigentlich von Demokratie überhaupt. Anstatt des parlamentarischen Systems wünscht er sich eine "wahre konstitutionelle Monarchie", wobei "wahr" gleichzusetzen ist mit "keine Wahlen". Die wären auch tatsächlich überflüssig, schließlich würde ein 37-köpfiges, rein männliches Volkskomitee die Regierung ernennen, mit Suthep als Vorsitzendem.

Wie genau mit solchen Vorstellungen ein Staat geführt werden soll, das ist selbst engsten Verbündeten ein Rätsel. "Ich verstehe dieses Konzept nicht so ganz", meinte etwa Korn Chatikavanij, ehemaliger Finanzminister und Sutheps Parteikollege. Genauso rätselhaft erscheint vielen die Wandlung Sutheps vom biederen Politiker zum politischen Straßenkämpfer.

Geboren in der südthailändischen Provinz Surat Thani, studierte Suthep Politikwissenschaften in den USA. Danach wechselte er rasch in die Politik, mit 26 Jahren folgte er seinem Vater als Gemeindevorsteher nach. Ab den 1990er-Jahren ging es für ihn in der konservativen Demokratischen Partei steil bergauf; nach diversen Ministerämtern bekleidete er sogar das Amt des Vizepremiers.

In seiner Zeit als Vizepremier, 2010, protestierten die Anhänger des ehemaligen Premiers Thaksin Shinawatra gegen die Regierung - so wie heute, nur unter umgekehrten Umständen. Im Gegensatz zur aktuellen Regierung ließ Suthep die Behörden aber hart durchgreifen, 92 Menschen kamen dabei ums Leben. Deshalb wurde er vor einem Jahr wegen Mordes angeklagt.

Wenn Suthep mal wieder den Demonstranten einheizt, dann ist auch seine Familie unter den Zuhörern; allen voran Srisakul Promphan, die vor ein paar Jahren von der Geliebten zur Ehefrau aufstieg. Das nichteheliche Verhältnis hatte doch für Wirbel gesorgt. Seine Familie sieht die Proteste mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist es schön, wie sich Suthep einsetzt. Andererseits haben sie das Gefühl, dass er es ernst meint - das mit dem Märtyrertum. (Kim Son Hoang, DER STANDARD, 3.12.2013)

  • Suthep Thaugsuban führt Thailands Opposition an.
    foto: ap/wason wanichakorn

    Suthep Thaugsuban führt Thailands Opposition an.

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