"So polemisch, diesen Spot zu dämonisieren"

3. Dezember 2013, 14:03
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Harry Bergmann, Geschäftsführer von Demner, Merlicek & Bergmann, versteht die Kritiker am "Licht ins Dunkel"-Film nicht

Als diskriminierend kritisierten Behindertensprecher, etwa Franz-Joseph Huainigg von der ÖVP, den jüngsten "Licht ins Dunkel"-Spot von Demner, Merlicek & Bergmann. Geschäftsführer Harry Bergmann kann die Kritik und die Forderung, den Film nicht mehr zu zeigen, nicht nachvollziehen, sagt er dem STANDARD.

STANDARD: Der jüngste Werbefilm Ihrer Agentur für "Licht ins Dunkel" hat heftige Proteste hervorgerufen. Verstehen Sie die Kritik?

Bergmann: Nein. Ich verstehe sie nicht - und ich  finde die diskriminierende Haltung gegenüber Behinderten, die uns da unterstellt wird, empörend.

STANDARD: Warum empörend?

Bergmann: Das ist unser 16. Film für "Licht ins Dunkel". Wir haben immer darauf geachtet, einen Film zu machen, der so viel Spenden wie möglich einspielt, aber gleichzeitig mit den Themen Behinderung und Armut mit Respekt umgeht. Das war diesmal nicht anders.

STANDARD: Im Film sagen Kinder auf dem Spielplatz, was sie einmal  werden wollen. Ein Bub will Fußballer werden, daraufhin sagt ein anderer, er will vielfacher Doktor werden ...

Bergmann: Da nimmt man den Satz eines Achtjährigen - der in seiner kindlichen Vorstellungswelt etwas sucht, was seinem Bruder helfen könnte - und die Kritiker sehen das als Rückschritt ins finsterste Mittelalter der gesellschaftlichen Akzeptanz von Behinderten. Das ist absurd. Warum nimmt man sich nicht lieber zum Vorbild, wie die Kinder in diesem Film miteinander umgehen, ob behindert oder nicht. Da hätte man ein wunderbares Beispiel von Inklusion.

STANDARD: Behindertensprecher haben die Aufgabe, Interessen von Behinderten zu vertreten.

Bergmann: Ja, eben. Aber welche Interessen werden hier vertreten? Die Interessen derer, die durch Behinderung und Armut gleichzeitig geschlagen sind? Sieht der Behindertensprecher der ÖVP nicht, dass es nicht nur Unterschiede zwischen Behinderten und Nichtbehinderten gibt, sondern auch solche zwischen Behinderten, die zumindest einen finanziellen Polster haben und Behinderten, die sich keine Therapie, keinen Rollstuhl, keine behindertengerechte Wohnung, keine Ausbildung ... leisten können?

STANDARD: Die Botschaft, man könnte Menschen quasi reparieren, widerspricht Ihrer Ansicht nach nicht dem Prinzip der Inklusion?

Bergmann: Es ist so polemisch, diesen Film zu dämonisieren und daraus die Botschaft abzuleiten: Nur ein reparierter Behinderter ist ein guter Behinderter.

STANDARD: Sie werfen den Behindertensprechern, die ihn kritisierten, Polemik vor?

Bergmann: Ich werfe niemanden etwas vor. Ich wehre - und verwehre - mich nur gegen Vorwürfe. Aus dieser Militanz könnte man aber schon ablesen, dass (ÖVP-Behindertensprecher Franz-Joseph) Huainigg am liebsten gar keine Spendenaktionen will.

STANDARD: Das ist jetzt aber etwas forsch gefolgert.

Bergmann: Warum? Das bedeutet doch: Wir brauchen weder das Mitleid noch die Almosen der nicht Behinderten. Aber: Es geht um Not. Menschen, die nicht wissen, wie sie das Morgen schaffen sollen.

STANDARD: Sie klingen ein bisschen, als wollten Sie den Hut draufhauen.

Bergmann: Nein. wenn ich bei jedem unserer Filme, der polarisiert, den Hut draufhauen wollte, dann hätte ich mir beizeiten eine riesige Hutsammlung zulegen müssen.

STANDARD: Bei einem anderen Kunden, einer anderen Botschaft wäre ihnen so große Aufmerksamkeit für einen Spot vermutlich sogar willkommen gewesen. Wäre nicht das erste Mal, dass Agenturen mit medialer Aufregung kalkulieren.

Bergmann: Mediale Aufregung und Diskussion sind eines. Untergriffe und Unterstellungen etwas anderes. (red, derStandard.at, 3.12.2013)

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  • Harry Bergmann, Geschäftsführer von Demner, Merlicek & Bergmann.
    foto: dmb

    Harry Bergmann, Geschäftsführer von Demner, Merlicek & Bergmann.

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