Sadomaso-Ästhetik in der Barockkapelle

2. Dezember 2013, 19:13
posten

Die katholische Kirche vergibt zwei wichtige und gut dotierte Kunstpreise: Am Mittwoch erhält Luisa Kasalicky den Monsignore-Otto-Mauer-Preis, vergangene Woche wurde Kathi Hofer in Salzburg mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnet

Wien - Hintergrund, Boden, Fläche, Schichtungen, Illusion, Komposition, Farbe, darum geht es Luisa Kasalicky. Also um Dinge, die in der Malerei von Relevanz sind. Allerdings würde man Luisa Kasalickys in den Raum hineingreifende Wandobjekte und raumfüllende Installationen nicht als Tafelbilder bezeichnen: Aus industriell gefertigten, normierten, oft im Baumarkt gefundenen Materialien - Styropor, Dachpappe, Messingrohre, Regenrinnenschellen, Fliesen, Gummi, Teppich - sind sie gefertigt, wirken daher oft rau und archaisch, ähneln einmal mehr einem Ornament, ein anderes Mal eher Architektonischem oder Möbeln. Und negiert man die Dreidimensionalität, etwa unter Zuhilfenahme der Fotografie, so landet man wieder bei einem abstrakten Gemälde.

Für Kasalicky sind es tatsächlich Bilder, die die Wand verlassen: "Ich habe eine malerische Weltsicht", sagt die 39-jährige Künstlerin, die einst an der Akademie der bildenden Künste Malerei studiert hat und am Mittwoch mit dem Otto-Mauer-Preis, einem der renommiertesten österreichischen Kunstpreise (11.000 Euro) für unter 40-Jährige, ausgezeichnet wird. "Ich gehe nicht anders vor, als wenn ich auf der Leinwand malen würde." Statt Farbe nutzt sie Vorgefundenes, collagiert verschiedenste Formen und unterschiedlichste Oberflächenstrukturen, wodurch auch Sinnliches ins Spiel kommt.

Allerdings haftet den von Kasalicky verwendeten Werkstoffen über ihre Herkunft auch eine Geschichte an: So tackerte sie beispielsweise für ihre Soloschau in der Bawag Contemporary 2011 zerschnittene Hubertusmäntel auf Türblätter, die zu einer Art Flügelaltar zusammengefügt waren. Neben den warmen Qualitäten des Lodens steht das Textil auch für traditionelle, österreichische Themen. Solche Zweideutigkeiten sind Luisa Kalsalicky wichtig.

Unheimliche Ähnlichkeiten

Fasziniert ist die Künstlerin, der Streifzüge durch die Stadt viel Inspiration liefern, auch davon, Dinge zu kombinieren, die nicht zusammengehören - oder anders: im Nebeneinanderstellen zu erforschen, was es mit gewissen Ähnlichkeiten auf sich hat, etwa mit der hermetischen, wehrhaften und robusten Formensprache von Gemeindebauten der 1920er-/1930er-Jahre, die an mittelalterliche Festungen erinnern. In der Klagenfurter Burgkapelle, dem Projektraum des Museums moderner Kunst Kärnten, ersetzte sie sakrale Objekte mit ihren durch Lack, Leder oder Nieten oft fetischhaften Objekten. Die SM-Ästhetik weise erstaunliche Parallelen zu den hochpolierten zeremoniellen Gegenständen der Kirche auf, so Kasalicky. Beide hätten eine Vorliebe für Fetischhaftes und Glänzendes, erklärt sie ihren nicht wertenden Vergleich.

Aber nicht nur den Raum integriert Kasalicky in ihre Kunst, auch die Zeit, wie in ihrer aktuellen Ausstellung im Lentos (bis 2. 2.). Einblicke in das Werk der Preisträgerin werden am 5. 12. im Wiener Jesuitenfoyer eröffnet.

Der Monsignore-Otto-Mauer-Preis wurde von Kardinal König initiiert, eine andere, ebenso hochdotierte Auszeichnung ist auch nach diesem benannt; heuer geht sie an die 33-jährige Kathi Hofer. Und auch ihre Arbeit könnte man damit umschreiben, was Dominikus Müller im Frieze-Magazin einmal den "Vienna Interiorism" nannte. Der Begriff wird aber nur der Oberfläche ihrer Arbeit gerecht, die bisweilen wie ein einfaches, gefaltetes Papierobjekt aussieht.

Dahinter stehen umfassende Recherchen der Künstlerin, die auch Philosophie studiert hat, etwa bezüglich Produktionsprozessen und -bedingungen in und außerhalb des Kunstbetriebs. Da stieß sie im Vorfeld ihrer Ausstellung Craftivism im Mak 2012 etwa auf Frank Bunker Gilbreth, einen Mitbegründer des Taylorismus, der die manuellen Arbeitsabläufe im Betrieb über Bewegungsstudien optimierte. Als Gegenreaktion zu dieser Form der Produktivitätssteigerung setzte sie Techniken der Entschleunigung, etwa jene des Selbermachens. Ihre Arbeiten zeigt der Kunstraum St. Virgil in Salzburg. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 3.12.2013) 

Bis 28.1.

  • Luisa Kasalicky schafft ...
    foto: stefanie schwarzwimmer

    Luisa Kasalicky schafft ...

  • ... Tafelbilder und Malerei, die die Wand verlässt.
    foto: christopher steinweber

    ... Tafelbilder und Malerei, die die Wand verlässt.

  • Einblick in Kathi Hofers Ausstellung "Craftivism" (2011) im Mak. 
    foto: kathi hofer, mak/katrin wißkirchen

    Einblick in Kathi Hofers Ausstellung "Craftivism" (2011) im Mak. 

Share if you care.