Image- und Kulturwandel

2. Dezember 2013, 10:31
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Beim Möbel-und-Holz-Cluster Oberösterreich wird bei der Lehrlingsausbildung nicht nur Fachwissen vermittelt - College für soziale Kompetenzen

Die Skepsis war am Anfang groß, und es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit, bevor 2010 mit zehn Tischlereibetrieben das SoKo-(Soziale-Kompetenz-)Projekt für Lehrlinge gestartet werden konnte. Im Herbst 2013 wurde erste Bilanz gezogen. "Und die ist durchwegs positiv", sagt Gernot Schneebauer, Geschäftsführer von Heartbeat und Initiator des SoKo-Projekts.

So habe sich bei den mittlerweile 14 teilnehmenden Betrieben die Unternehmenskultur, aber auch die Außenwirkung geändert. "Das Image des Tischlers konnte verbessert werden", sagt Schneebauer. Denn auch die Lehrlinge präsentieren ihren Beruf an Schulen und berichten über ihren Berufsalltag. Und das schlage sich auch bei den Lehrlingsbewerbungen nieder. So gebe es Tischlereien, bei denen sich vorher kein Lehrling beworben hatte und die jetzt jährlich zwischen zehn bis 15 Bewerbungen erhalten, ergänzt Schneebauer.

Vier Säulen

Das Projekt steht auf vier Säulen. Die wichtigste sind die Unternehmer, der die Rahmenbedingungen für das Gelingen der Lehrlingsausbildung schaffen muss. Mit ihnen werden vor allem genaue Pläne für die Lehrlingsausbildung erarbeitet. "Es gibt zwar viele Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, einen genauen Plan, wie das funktionieren soll, haben aber die wenigsten", so Schneebauer. Das beginne schon bei der ersten Ausbildungswoche. Bewusstsein für die Bedürfnisse der Lehrlinge zu schaffen sei hier wesentlich. Dafür bekommen die Ausbildner als zweite Säule auch spezielle pädagogische und didaktische Trainings. Dabei gehe es auch darum, eine gemeinsame Sprache zwischen Ausbildnern und Lehrlingen zu finden, "um einander auf Augenhöhe begegnen zu können", fügt Schneebauer an. Das Fachwissen müsse "lehrlingsgerecht" weitergegeben werden.

Aber auch im gesamten Unternehmen müsse Verständnis für die Lehrlinge geschaffen und die Bedeutung der Vorbildwirkung erkannt werden, so Schneebauer. Ein zentrales Element des Projekts ist das Lehrlingscollege, bei dem die Lehrlinge ihre sozialen Kompetenzen stärken und ausbauen können. Dafür wird in jedem Lehrjahr gemeinsam eine Woche außerhalb des Betriebs verbracht und unter pädagogischer Leitung an Teamfähigkeit, dem Umgang mit Kollegen und Leistungsdruck gearbeitet.

1600 Euro pro Lehrling

Der finanzielle Aufwand dafür halte sich in Grenzen. Pro Lehrling würden insgesamt rund 1600 Euro anfallen. "Geld war bei der Überzeugungsarbeit auch nicht so sehr das Thema, sondern viel mehr die Zeit", sagt Schneebauer. Denn dieses Projekt sei für alle Beteiligten aufwändiger als zwei Tage im Abenteuergarten.

"Dass Betriebe in Marketing investieren müssen, wissen Unternehmer - dass sie sich aber auch um das Innenleben ihres Unternehmens kümmern müssen, ist weniger klar", so Schneebauer, der auf jahrelange Erfahrung als Unternehmensberater zurückgreifen kann.

Seine Pläne für die Zukunft: "Das Konzept ist branchenübergreifend für Klein- und Mittelbetriebe aufgebaut. Als Nächstes wird damit im Bereich Tourismus und in der Gastronomie gestartet." (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 30.11./1.12.2013)

Am 3. und 4. Dezember findet das erste Lehrlingsforum des Business Circle statt.

Links:

www.businesscircle.at

www.heartbeat.co.at

  • Gernot Schneebauer ist der Gründer von Heartbeat.
    foto: burgstaller

    Gernot Schneebauer ist der Gründer von Heartbeat.

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