Kaiserlicher Großmeister der Selbstinszenierung

2. Dezember 2013, 07:19
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Mit einer gigantischen Schau feiert Rom schon vor der Zeit den 2000. Todestag des ersten römischen Kaisers Augustus

Am 19. August 14 n. Chr. segnet Gaius Octavius, alias Augustus, der "Erhabene", das Zeitliche. Er hatte es allerdings zur Genüge geprägt. Als Großneffe Caesars dehnte er das Römische Reich bis in die Sahara und bis zum Kaukasus aus. Seine Widersacher, angefangen von den Caesar-Mördern Brutus und Cassius bis hin zu Markus Antonius und Kleopatra, wusste er aus dem Weg zu räumen. Doch mit diesem Augustus, der etwa tatenlos zusah, wie die Leiche seines Mitstreiters Cicero verstümmelt durch die Straßen Roms geschleift wurde, der sich nach der Schlacht von Actium pompös in Rom feiern ließ, befasst sich die Schau, wie die Kuratoren betonen, nur am Rande.

Sie widmet sich nämlich dem Danach, der Zeit von Frieden und Wohlstand, die der Princeps Rom schenkte. Damit versucht sie sich ausdrücklich von der letzten großen Augustus-Schau zu distanzieren, mit der Mussolini 1937 Augustus als Vater des Vaterlands zelebrieren ließ. Den Anlass zur Mostra augustea della Romanità ("Augusteische Ausstellung der römischen Identität") bot seinerzeit der 2000. Geburtstag des Kaisers. Die faschistisch geprägte Verherrlichung des augusteischen Herrschaftsmythos hatte zur Folge, dass man sich nach dem Ende der Mussolini-Diktatur und der Geburt der italienischen Republik hütete, jenem Herrscher zu huldigen, der die Republik zu Grabe getragen und sich zum Alleinherrscher erhoben hatte.

So löblich es ist, dass Rom das Tabu bricht, so fragwürdig bleibt die Trennung zwischen einem "politischen" Augustus und einer erhabenen Figur, die nach den Unruhen des Bürgerkriegs Rom das "Goldene Zeitalter" bescherte. Der ästhetische Aspekt der augusteischen Ära ist ja vom politischen schwer zu trennen. Die damalige Kunstwelt war durch und durch von Augustus und dem Herrscherkult geprägt, die Kunst stand im Dienste seiner Macht: Sie war augusteisch, aber eben nicht nur nicht stilistisch, sondern auch inhaltlich.

Nichtsdestotrotz ist die Schau eine Augenweide, denn Rom hat keine Mühe gescheut, alles, was in der Welt an bildlicher, vor allem skulpturaler Huldigung der Kaiserzeit zu finden war, in den Scuderie del Quirinale zusammenzutragen. Die Prachtstücke aus den internationalen Museen, vor allem aus dem Louvre, wo die Schau 2014 gezeigt wird, werden in einer Ausstattung präsentiert, die auch auf Einsatz multimedialer Mittel nicht verzichtet.

Die Villa der Gattin

So laufen denn auch Bilder über die Wände, etwa die der Fresken, die die Villa der Gattin des Kaisers im römischen Vorort Prima Porta zierten. Sie sind die passende Kulisse für die "epochale" Wiederbegegnung zweier Meisterwerke: jenes Augustus von Prima Porta mit Brustpanzer und jenes Augustus der Via Labicana, der den Kaiser in Toga und mit Kopfbedeckung als Pontifex Maximus porträtiert. Die Statuen sind jeweils Leihgaben der Vatikanischen Museen und des römischen Nationalmuseums Palazzo Massimo. Sie sind also in Rom beheimatet, was den Wert ihrer Zusammenführung indes nicht schmälert.

Weniger eklatant, aber in der Beschreibung des Goldenen Zeitalters effizienter, erscheint hingegen die Zusammenführung dreier Brunnenreliefs, die einst ein römisches Nymphäum im antiken Praeneste zierten. Zwei der gewölbten Marmorplatten, die sogenannten Grimani-Reliefs, stammen aus der Antikensammlung Wien. Dargestellt sind eine Löwin und ein Schaf, die ihre Jungen säugen. In Rom treffen sie mit dem dritten Muttertier aus Palestrina zusammen, der Wildsau. Der göttliche Augustus, der Apoll, als den Horaz ihn besang, wollte dem Volk Frieden, Fruchtbarkeit und Glück schenken. Jene Pax Romana, so wie sie auch der Friedensaltar, die Ara Pacis, darstellt.

Das Denkmal, das sich heute unter der gläsernen Schutzhülle des Stararchitekten Richard Meyer am Tiberufer erhebt, bildet eine wichtige Ergänzung zur Schau: Zum einen zeigt der Altar überdeutlich, dass die Kunst der öffentlichen politischen Selbstdarstellung des Herrschers zu Diensten stand. Zum anderen befindet sich das Denkmal gleich vis-à-vis des Kaisergrabes. Nur leider ähnelt das Mausoleum einer Schutthalde: Über der Kuppel wuchert das Unkraut, ringsum im Graben liegt Müll. Vielleicht hätten die Stadtväter, bevor sie anlässlich des 2000. Todestags des Princeps, eine bombastische Schau in den Scuderie inszenieren, Hand an diesen Schandfleck italienischer Kulturpflege legen können? Eine Restaurierung des Grabs hätte sicherlich eine nachhaltigere Wirkung erzielt als eine verklärende Ausstellung. (Eva Clausen, DER STANDARD, 2.12.2013)

Scuderie del Quirinale, bis 9.2.2014

  • Skulpturale Huldigungen von Kaiser Augustus dominieren die Schau in den Scuderie del Quirinale. 
    foto: museo nazionale romano

    Skulpturale Huldigungen von Kaiser Augustus dominieren die Schau in den Scuderie del Quirinale. 

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