Österreichs größter Wochenmarkt ganz ohne Plastiksackerln

1. Dezember 2013, 18:07
55 Postings

Die Salzburger Schranne stellt schrittweise auf Bio und Mehrweg um

Salzburg - Mit geübtem Griff lässt Reinhard Krieg Forellen- und Saiblingfilets aus eigener Biozucht in ein kleines Plastiksackerl gleiten und bindet dieses zu. "Die Restbestände aus Kunststoff brauchen wir noch auf, dann stellen auch wir auf die Bio-Sackerln um", sagt der Fischhändler und -züchter aus Salzburg.

Krieg gehört zu jenen 33 Standlern auf der Salzburger Schranne, die auf neue Bio-Sackerln umsteigen. Diese sind aus Maisstärke, biologisch abbaubar und daher zu Hause auch als Bio-Abfallsäcke verwendbar.

"Wir haben es getestet, auch die Maissackerln sind dicht", berichtet Krieg. Schließlich soll ja kein Fischblut in den Einkaufskorb der Kundschaft tropfen.

Mit der im Frühjahr von der Salzburger Agrar Marketing gestarteten Aktion seien jetzt schon mehr als 160.000 Plastiksackerln ersetzt worden, bilanziert der ressortzuständige Agrarlandesrat Josef Schwaiger (VP) das erste halbe Jahr. Bis 2015 soll Österreichs größter Wochenmarkt komplett plastikfrei sein.

9000 Besucher wöchentlich

Dabei geht es um beachtliche Mengen. Immerhin stehen Woche für Woche jeden Donnerstag bis zu 190 Standler auf dem Salzburger Mirabellplatz rund um die Andräkirche. Rund 9000 Menschen decken sich hier - an der Grenze zwischen rechter Altstadt und Andräviertel, mit Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Brot ein.

Monat für Monat seien bisher etwa 150.000 Plastiksackerln an die Kunden weitergegeben worden, schätzt Schwaiger. Der Großteil "dieser Transportbehelfe" sei aber nur eine halbe Stunde in Verwendung und wandere dann sofort in den Müll.

Dass man auf der Schranne in Sachen Umweltbewusstsein Vorreiter sein will, ist inhaltlich naheliegend. Immerhin kommen so gut wie alle Marktfahrer aus Salzburg, Oberösterreich und dem benachbarten Bayern. Der Anteil an regionalen Produkten ist hoch. Und wo regional, nachhaltig oder biologisch Erzeugtes drinnen ist, soll auch das Außenrum umweltverträglich sein.

Aufgeschlossene Kunden

Wobei die Schrannenstandler durchaus auch auf einen erzieherischen Effekt hoffen. Ein Biosackerl kostet die Kunden zehn Cent. Viele kämen jetzt schon mit Körben oder Taschen und ihrem eigenen Geschirr für Wurst und Fleisch, berichtet der Seniorchef am Spezialitätenstand der Familie Baischer aus dem benachbarten Oberösterreich.

Josef Höflmaier, der Produkte aus seiner eigenen Käserei anbietet, bestätigt das: Viele Kunden seien "dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen". Dies wohl auch, weil die Bio-Sackerln gegenüber ihren Verwandten aus Kunststoff entscheidende Vorteile haben: Die Mais-Sackerln sind atmungsaktiv, und so bleiben Obst, Gemüse, aber auch Brot länger frisch. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 2.12.2013)

  • Biokäse im Biosackerl: Josef Höflmaier hat den Kampf gegen das Plastik mit initiiert. 
    foto: sam

    Biokäse im Biosackerl: Josef Höflmaier hat den Kampf gegen das Plastik mit initiiert. 

Share if you care.