Mehr als 1.000 Teilnehmer bei Demo gegen Burschenschafter

30. November 2013, 16:34
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Zwei Festnahmen wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt und wegen eines tätlichen Angriffs

Innsbruck - Es wehen dutzende rote Fahnen, undefinierbare Musik aus einem Ghettoblaster irgendwo in der Menschenmenge unterlegt die Parolen: "Nieder mit der Nazi-Pest - von Ost - nach West", "Internationale Solidarität" oder schlicht "Nazis raus" ist zu hören. Inzwischen sind die Demonstranten bei der Messe Innsbruck, ihrem Zielort angekommen.

Nach Schätzungen von Veranstalter und anwesenden Polizisten sind zwischen 1.000 und 1.500 Menschen gekommen, um gegen den Verbandstag der Deutschen Burschenschaft in Innsbruck durch die Stadt zu ziehen. Die Burschenschafter haben sich bereits in ihrem neuen Quartier eingefunden, nachdem durch einen Gesellschafterbeschluss von Stadt, Land Tirol und Wirtschaftskammer der Vertrag mit der Messe Innsbruck, dem ursprünglichen Ort der Veranstaltung, gelöst wurde.

Unter den Demonstranten sind Frauen mit Kindern und viele junge Menschen. Die Traube wird begleitet von dutzenden Polizisten. Zu Ausschreitungen kam es bisher noch nicht - zumindest bei der offiziellen Demo. Lukas Haslwanter war auch schon am Vormittag auf der Straße. Er ist einer von etwa dreißig Menschen, die sich dem Burschenschaftermarsch in den Weg gestellt hatten.

Zwei Festnahmen

Er berichtet von gewaltsamen Übergriffen durch die Polizei. "Nachdem die Fotografen weg waren, ist ein Einsatzkommando von etwa 50 Beamten auf uns zu und hat versucht, uns wegzudrängen", erzählt Haslwanter. Dabei seien einige Menschen gestürzt und hätten sich verletzt. "Danach wurde ich von einem Polizisten zu Boden geworfen, nach unten gedrückt, mir wurden Handschellen angelegt und so musste ich meine Personalien angeben."

Zwei andere Aktivisten - darunter ein junges Mädchen - seien von Beamten mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden. Vonseiten der Polizei wird von "15 Identitätsfestellungen" und zwei Festnahmen gesprochen. "Einer von beiden ist Fotograf und hatte seinen Presseausweis dabei. Er gehört zwar zu uns, hat aber bloß fotografiert. Die Kamera wurde sofort sichergestellt", sagt Haslwanter. Laut Polizei sind die zwei Festnahmen aufgrund von "Widerstands gegen die Staastgewalt" und "eines tätlichen Angriffs" erfolgt. Der Standard wartet auf eine Stellungnahme.

Der Cartellverband (CV) kritisiert indes in einer Aussendung, dass es im Zuge der Proteste gegen die Veranstaltung der Deutschen Burschenschafter zu einem Angriff auf ein Mitglied der katholischen Verbindung gekommen sei. Ein Senior des CV sei beim Verlassen des Verbindungshauses, vor dem sich etwa zwanzig Demonstranten befunden haben sollen, mit einem Faustschlag attackiert worden. Der Polizei ist der Zwischenfall noch nicht bekannt.

Großräumige Sperre

Das Verbandstreffen des Dachverbands "Deutsche Burschenschaft" hat am Samstag in Innsbruck von der Außenwelt abgeschirmt stattgefunden. Die deutsch-nationalen Korporierten tagten nicht-öffentlich in einem Lokal in einem Gewerbegebiet im östlichen Teil der Tiroler Landeshauptstadt. Dabei übten sie sich in Normalität, äußerten zugleich aber massive Kritik an der Gegendemonstration.

Die Polizei hatte den Bereich um den Veranstaltungsort großräumig abgesperrt. Knapp über 100 Burschenschafter versammelten sich in einem verhältnismäßig kleinen Raum. Prominente Sympathisanten wie der Freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, dessen Besuch im Vorfeld kolportiert worden war, erschienen nicht. Dies sei ohnehin nur eine "Zeitungsente" gewesen, sagte der Sprecher der Deutschen Burschenschaft, Walter Tributsch.

Die Teilnehmer des Verbandstreffens versuchten indes Normalität zu demonstrieren und widmeten sich dem Thema "Jugend und Europa". Als Redner fungierte etwa der ehemalige Balkan-Korrespondent der deutschen ARD Detlef Kleinert. In seiner Rede übte er Kritik an den Protesten gegen das Treffen.

"Straße der Verwüstung"

Neben Kleinert am Podium anwesend war der Freiheitliche Abgeordnete Reinhard Eugen Bösch und der frühere FPÖ-Nationalratspräsident Gerulf Stix, der Ende der 1970er-Jahre auch Tiroler FPÖ-Landesparteiobmann war. Bösch kritisierte, dass "gewalttätige Gruppen, aufgehetzt durch eine verantwortungslose Politik, eine Straße der Verwüstung" durch Innsbruck gezogen hätten. Bösch, selbst Mitglied der Wiener Teutonia, meinte auch, dass der FPÖ ein Anstreifen an die schlagenden Burschenschafter nicht schaden würde. Denn sowohl die Freiheitlichen als auch die Burschenschaften würden ihren "rechten Rand" sauber halten.

Marsch der Burschenschafter

Am Samstagvormittag waren die Teilnehmer des Treffens des Dachverbandes "Deutsche Burschenschaft" zu einem Marsch durch die Tiroler Landeshauptstadt aufgebrochen. Die knapp hundert Burschenschafter wurden dabei von einem Großaufgebot der Polizei eskortiert, auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz.

Der Marsch setzte sich am späten Vormittag vom Haus der Verbindung "Brixia" in Bewegung. Während sich die Korporierten dort versammelten, gab es zum Teil lautstarke Proteste von rund zwei Dutzend Demonstranten. Unter anderem flogen Schneebälle auf die Teilnehmer des Verbandstreffen. Zudem skandierten die Demonstranten: "Nieder mit der Nazi-Pest" oder "Stopp dem Faschismus in jedem Land".

"Ich bin die linke Gewalt"

Die Burschenschafter ihrerseits hielten Transparente mit Slogans wie "Burschenschafter für Meinungsfreiheit" oder "Heute bei der Messe, morgen in der Verfassung. Ich bin die linke Gewalt". Zudem hatten sie Plakate dabei, die Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) zeigten, wie sie ein anderes Mitglied einer Studentenverbindung küsst. Oppitz-Plörer hatte sich im Vorfeld vehement dafür eingesetzt, dass der Vertrag zwischen der Messe Innsbruck und den Burschenschafter aufgelöst wird.

Die Polizisten mussten gleich zu Beginn des Marsches einschreiten, um Demonstranten, die sich in den Weg gestellt hatten und die Straße blockierten, zu entfernen. Erneut einschreiten mussten die Beamten bei Sitzstreiks an der Inn- und der Universitätsbrücke. Diese wurden von den Sicherheitskräften ebenfalls aufgelöst.

Die Polizei stand am Samstag mit rund 300 Mann im Einsatz. Die Tiroler Beamten wurden durch Exekutivkräfte aus Wien, Vorarlberg und Kärnten verstärkt. (Katharina Mittelstaedt, derStandard.at/APA, 30.11.2013)

  • Fast 100 Burschenschafter marschieren am Samstag durch Innsbruck.
    foto: apa/robert parigger

    Fast 100 Burschenschafter marschieren am Samstag durch Innsbruck.

  • Am Nachmittag bei der Gegendemo.
    foto: mika/derstandard.at

    Am Nachmittag bei der Gegendemo.

  • Der Protestmarsch wurde vom "Aktionsbündnis Innsbruck gegen Faschismus" organisiert.
    foto: mika/derstandard.at

    Der Protestmarsch wurde vom "Aktionsbündnis Innsbruck gegen Faschismus" organisiert.

  • Transparente, Luftballons und Sprechchöre.
    foto: mika/derstandard.at

    Transparente, Luftballons und Sprechchöre.

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