Jobabbau: Bank Austria fastet sich jung

29. November 2013, 17:56
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Der Mitarbeiterabbau der Bank Austria wird vor allem die älteren Arbeitnehmer betreffen, die Bank will ihnen Teilzeitangebote unterbreiten

Wien – Die massiven Personalabbaupläne in der Bank Austria haben hektische Verhandlungen in der Mailänder UniCredit-Tochter zur Folge. In den kommenden Wochen muss die Bankleitung unter Willibald Cernko jene Modelle erarbeiten und ausrechnen, mit de­nen sie ihre Pläne umsetzen kann. Die Bank will, wie berichtet, rund 850 Jobs in den kommenden zwei Jahren einsparen – ohne Kündigungen. Der Personalstand soll so in Richtung 9000 Mitarbeiter hin­untergeschraubt werden. Ob sich das alles wirklich ohne Kündigungen ausgeht, das bezweifeln allerdings viele.

Betriebsversammlung

Cernko selbst hat nächste Woche einen Termin beim UniCredit-Chef Federico Ghizzoni; die Frage, wie viel Geld die Modelle kosten werden bzw. dürfen, mit denen man den Mitarbeitern den Abgang versüßen wird, wird da wohl Thema sein. Die Belegschaft wieder­um wird am 19. Dezember österreichweit zu Betriebsversammlungen zusammenkommen. Die Belegschaftsvertreter haben je­den­falls schon angekündigt, "gewerkschaftliche Maßnahmen zu er­greifen", sollte es doch zu Kündigungen kommen. Ausgeschlossen wird, dass es wie schon 2007 und 2008 zu sündteuren Golden-Hand­shake-Programmen kommt.

Die Bankchefs planen offenbar in erster Linie, neben Nicht-Nachbesetzungen (rund 400 Stellen) Teilzeitmodelle anzubieten und so die Pensionswelle, die der Bank von 2016 bis 2020 bevorsteht, ­quasi vorzuziehen. Bis Ende 2020 werden rund 3000 Leute in Pension gehen – ihnen könnten abseits der Altersteilzeit verminderte Arbeitszeiten schmackhaft gemacht werden. Die Frage, ob der Bank damit nicht auch wertvolles Know-how abhandenkommt und wie man die erweiterten_Serviceangebote (à la abendliche Beratung via Videotelefonie) abdecken will, ist noch offen.

Angedacht wird angeblich auch, billige Mitarbeiter aus dem „Move­ment" gegen teurere auszutauschen. "Movement" ist eine Art virtuelle Abteilung, in der zurzeit rund 250 Mitarbeiter geparkt sind, für die intern nach neuen Stellen gesucht wird. In der Bank wird ja schon lang gespart; die jüngste konzernweit umgesetzte Diät läuft seit 2012 unter dem passenden Namen "Projekt Thor" (Thor ist einer der Götterchefs der nordischen Mythologie, "der Donnerer", dessen Hammer, wenn er ihn wegschleudert, immer wieder zurückkommt). Im Rahmen von "Thor" sollten österreichweit bis 2014 rund 800 Jobs abgebaut werden, rund die Hälfte davon ist schon abgehakt.

Raiffeisen-Abbau unvollendet

Auch bei der Konkurrenz wird gespart; bei der Raiffeisen-IT (R-IT) wurden wie berichtet 61 Leute gekündigt. In dem Unternehmen sind derzeit noch rund 850 Mitarbeiter beschäftigt. In Belegschaftskreisen geht man allerdings davon aus, dass es mit den 61 Kündigungen nicht getan sein wird. Man rechnet zum Beispiel damit, dass die Zusammenlegung der Raiffeisen-eigenen Softwarehäuser Raiffeisen Solution und Racon (Erstere ist für Niederösterreich, Wien, Burgenland, Steiermark und Vorarlberg zuständig; die Racon für Oberösterreich, Salzburg, Kärnten und Tirol) noch weitere Ar­beitsplätze kosten könnte. Diese Einsparungen sollen aber tran­chenweise und weniger auffällig umgesetzt werden als die jüngsten Kündigungen. Gerüchte, wonach es sich allein aus diesem Titel um die sukzessive Verringerung um 400 Jobs handeln könnte, werden im Raiffeisen-Sektor aber dementiert.

Die Zahl der Führungsebenen bei der Raiffeisen-IT– es gibt (vier) Geschäftsführer, Bereichs-, Abteilungs- und Gruppenleiter – soll übrigens unverändert bleiben. Bei den jüngsten Kündigungen wurden allerdings auch Vertreter all dieser Ebenen gebraucht, wie Mitarbeiter erzählen. Die Geschäftsführung habe die Vorgangsweise bestimmt, Bereichsleiter und Personalbüro hätten die Kündigungskandidaten ausgewählt, die Abteilungsleiter hätten sie ins Personalbüro gebracht. Fürs Geleit zum Ausgang und für die Abnahme der Dienstausweise seien dann die Gruppenleiter zuständig gewesen. (Renate Graber, DER STANDARD; 30.11.2013)

  • Beim angekündigten Personalabbau bis Mitte 2015 dürften die Mitarbeiter der Bank Austria im Gegensatz zu früheren Programmen keine Zuckerln mehr von ihrem Arbeitgeber bekommen.
    standard/hendrich

    Beim angekündigten Personalabbau bis Mitte 2015 dürften die Mitarbeiter der Bank Austria im Gegensatz zu früheren Programmen keine Zuckerln mehr von ihrem Arbeitgeber bekommen.

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