Gesättigter Markt mit steigendem Faible für Relaunches

29. November 2013, 17:18
2 Postings

Experten sehen Fachmarktzentren im Vorteil, doch wachsender Online-Handel bereitet auch diesen Sorgen

Wien - Kaum noch neue Einkaufszentren, nur noch wenige neue Fachmarktzentren - so sieht strukturbedingt die nahe Zukunft des österreichischen Einzelhandels aus. Das Wachstum ist nämlich mittlerweile mehr als ausgereizt, der Markt gilt als gesättigt. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Verkaufsfläche in heimischen Einkaufs- und Fachmarktzentren beinahe verdoppelt, dabei waren laut Roman Schwarzenecker von Standort+Markt die Fachmarktzentren "zumindest zahlenmäßig" klar die Wachstumstreiber. "In kleineren Bezirkshauptstädten hat es sich oft nicht rentiert, ein Einkaufszentrum zu errichten, da war ein Fachmarktzentrum die billigere Lösung - sowohl was die Baukosten für den Investor als auch was die späteren Mietkosten betrifft."

Trend zum Relaunch

Schwarzenecker sieht nun zwar "noch ein paar Fachmarktzentren in der Pipeline" - unter anderem in Parndorf (siehe Artikel oben) -, à la longue werde sich die Entwicklung aber "eher auf Relaunches bzw. Neugestaltungen bestehender Zentren einpendeln", wie er dem Standard sagt. Als quasi vorweggenommene Beispiele dafür nennt er das Center Neukauf in Villach, wo alte bestehende Fachmärkte in ein neu gestaltetes Ensemble integriert wurden. "Das könnte noch an dem einen oder anderen Standort so gemacht werden", denkt Schwarzenecker.

Für Wolfgang Richter, Geschäftsführer von Regioplan, sind aber auch die Fachmarktzentren mittlerweile massiv "bedroht" - durch die quasi unschlagbare Konkurrenz durch "jenen Diskonter, der immer den besten Preis hat: das Internet." Für ihn ist derzeit "eine revolutionäre Entwicklung zu beobachten, die stark durch die neuen Technologien vorangetrieben wird." Der Online-Handel habe mittlerweile einen Anteil von rund zehn Prozent am gesamten Einzelhandelsumsatz in Österreich erreicht. Es gebe zwar große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen, doch generell sei das "schon sehr ernst zu nehmen". Auch wegen dieses veränderten Konsumentenverhaltens sei die Expansionswut der Einzelhändler vorbei, es werden weniger Flächen im stationären Handel nachgefragt. Der Elektrohandel stehe beispielsweise vor massiven Herausforderungen, und damit auch die Center-Manager, haben die Elektroniker doch üblicherweise große Flächen angemietet.

Leerstand wird zum Problem

Auch in der Buch- und Fashion-Branche kann der Einfluss von Amazon, Zalando & Co bereits an den benötigen Verkaufsflächen im Handel abgelesen werden. Die Einkaufszentren, die mittlerweile auch untereinander konkurrieren, sind angehalten, sich neu zu erfinden, wollen sie überleben. Und für Richter ist dabei auch eines klar: Center, die von ihren Errichtern betrieben werden, weisen die bessere Performance auf. "Eine Handelsimmobilie kann nur dann eine gute Rendite erwirtschaften, wenn man sich mit dem Nutzer dieses Objektes dauernd beschäftigt - also mit dem Konsumenten." Endinvestoren wie Fonds hätten aufgrund der massiven Umbrüche im Markt derzeit aber wenig Lust, in die Optimierung von Einkaufszentren zu investieren. Dies hat dazu geführt, dass es mittlerweile auch echte "Problemimmobilien" gibt, die gegen Leerstände ankämpfen, etwa das Linzer Uno-Shopping oder das Wiener Gasometer.

Schule und Fitnesscenter

Aus der Not heraus entstünden da und dort auch neue Nutzungsideen, etwa Fitnesscenter, erklärt Richter. Der Fantasie sind dabei wenige Grenzen gesetzt: "In Salzburg wurde im Obergeschoß eines Einkaufszentrums die Mozartschule angesiedelt."

Schwarzenecker beobachtet, dass auch Fachmarktzentren ihr Profil schärfen, indem sie etwa immer mehr Wert auf ein einheitliches Erscheinungsbild legen, "von der Homepage bis zum gemeinsamen Fassadenauftritt wie etwa bei der M-City in Mistelbach". Auch in allgemeine Infrastruktur wie zum Beispiel Kunden-WCs wird investiert. (Martin Putschögl, DER STANDARD, 30.11.2013)

  • Nicht nur die Händler in den Shoppingcentern des Landes hoffen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Der Marien-Feiertag am 8. Dezember fällt für sie allerdings heuer aus, er fällt nämlich auf einen Sonntag.
    foto: apa/pfarrhofer

    Nicht nur die Händler in den Shoppingcentern des Landes hoffen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Der Marien-Feiertag am 8. Dezember fällt für sie allerdings heuer aus, er fällt nämlich auf einen Sonntag.

Share if you care.