Ein Ururgroßvater, zwei Uropas und drei Hügel

29. November 2013, 16:55
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Geschichte und Zufall: Wie zwei Mitglieder der Standard-Redaktion feststellten, dass sich ihre Familienchroniken an einem bestimmten Punkt trafen, und was der Erste Weltkrieg und erloschene Vulkane in der Südoststeiermark damit zu tun haben.

Der Hügel, auf dem Schloss Kapfenstein in der Südoststeiermark steht, ist ein rund drei Millionen Jahre alter erloschener Vulkan. Ein bisschen jünger ist die Geschichte, wie die Familie, in deren Besitz das Schloss seit 1916 steht, zu ihrem Namen kam. Aber auch sie hat mit einem Hügel zu tun. Der liegt einige hundert Kilometer südwestlich und spielte an der Südfront des Ersten Weltkriegs eine wichtige Rolle. Der "Berg" Hermada, italienisch "Ermada", ist eine Erhebung im Karst oberhalb von Duino am Golf von Triest. Mit seinen stolzen 323 Metern Höhe bildete er den Südpfeiler der Isonzofront, an der insgesamt zwölf äußerst verlustreiche Schlachten zwischen österreichisch-ungarischen, später auch deutschen Truppen auf der einen Seite und italienischen auf der anderen Seite stattfanden.

Die Isonzoschlachten

"Der Verlust des Hermada-Bergs würde den Verlust der Stadt Triest bedeuten und möglicherweise das Tor für einen italienischen Vorstoß nach Laibach öffnen." So beschreibt der US-Student John Farina in einer Forschungsarbeit zu den Isonzoschlachten die Ausgangslage.

Schon in der zweiten Isonzoschlacht war der Bereich um die Hermada schwer umkämpft. Die österreichischen Truppen hielten die Höhe gegen eine starke italienische Übermacht. Ihr Kommandant war Feldmarschallleutnant Arthur Winkler. Er wurde für seine Verdienste später von Kaiser Karl geadelt und wählte den Namenszusatz "von Hermaden". Sein ältester Sohn Arthur, geboren 1890, habilitierte sich 1921 an der Universität Wien für das gesamte Gebiet der Geologie. Arthur lebte mit seiner Familie in Kapfenstein. Seinen Sohn taufte er Burkhardt, dieser baute ab Ende der 1940er-Jahre mit seiner Frau Eva ein Weingut samt Hotelbetrieb auf, das noch heute von der Familie geführt wird.

Arthur Winkler-Hermaden interessierte sich für das Vulkangebiet. Schon 1913 hatte er im Jahrbuch der Geologischen Reichsanstalt Wien den Beitrag "Das Eruptivgebiet von Gleichenberg in der Oststeiermark" veröffentlicht.

Steirisches Vulkanland

Nach 1945 wurde Winkler-Hermaden mit seiner umfassenden Erforschung der gesamten Region zum geistig-wissenschaftlichen Vater des Steirischen Vulkanlandes, das inzwischen auch international als Beispiel einer erfolgreichen regionalen Marken- und Entwicklungsstrategie gilt.

Und hier kommt ein weiterer Hügel ins Spiel: der Steinberg in Mühldorf bei Feldbach. Arthur Winkler-Hermaden erstellte geologische Gutachten für mehrere Firmen, die an der Verwertung des Basaltgesteins als Baumaterial beteiligt waren. Dabei hatte er naturgemäß mit dem Mühldorfer Bürgermeister, dem Bauernsohn Josef Leitgeb, zu tun. Leitgeb profitierte von den Expertisen auch persönlich: Er tauschte ein Grundstück, an dem eine Basaltfirma interessiert war, gegen ein größeres.

Diese Geschichte stünde nicht hier, wenn Rosa Winkler-Hermaden, Ressortleiterin Chronik, nicht die Ururenkelin des Feldmarschallleutnants und die Urenkelin des Geologen und Josef Kirchengast, Außenpolitikredakteur, nicht der Urenkel des Bürgermeisters wäre. Eine Laune der Geschichte wollte es so, dass der Standard zum Schnittpunkt ihrer Familienchroniken wurde. (red, DER STANDARD, 29.11.2013)

 

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    foto: standard
  • Rosa Winkler-Hermaden mit Bildern ihres Ururgroßvaters Arthur Winkler von Hermaden, Josef Kirchengast mit einer Aufnahme mit seinem Urgroßvater Josef Leitgeb (2. v. li.)
    foto: hendrich

    Rosa Winkler-Hermaden mit Bildern ihres Ururgroßvaters Arthur Winkler von Hermaden, Josef Kirchengast mit einer Aufnahme mit seinem Urgroßvater Josef Leitgeb (2. v. li.)

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