Der Gesellschaft Rechenschaft ablegen

1. Dezember 2013, 22:55
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Berichte über nichtfinanzielles Wirken von Unternehmen sind in Österreich noch nicht "in". Aber: Vorgaben rücken näher - und einige zeigen schon, wie es geht.

Österreich ist kein großes Licht, wenn es um die Nachhaltigkeitsberichterstattung geht. In Großbritannien, Japan und Südafrika berichten fast alle Top-Unternehmen über ihre Nachhaltigkeitsagenden. In Deutschland immerhin mehr als 60 Prozent. In Österreich sind es nur 25, geht aus einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young hervor.

Dies, obwohl Veranstaltungen, Bücher, Preise, Awards und Auszeichnungen zum Thema Sustainability mittlerweile wichtiger Reputationspunkt (manche Unternehmen sehen Nachhaltigkeit sogar als "licence to operate") - und wohl auch relativ gutes Geschäftsfeld für Berater und Dienstleister geworden sind.

Es ist ja auch noch nicht eine sanktionierte Pflicht, die EU-Richtlinie für Große wartet noch, Motiv ist also Investorenverlangen und Positionierung der Unternehmen. Dass Anforderung nach Transparenz über nichtfinanzielle Belange aber kommen wird, daran besteht Experten zufolge kein Zweifel. Österreich ist jüngst auch Mitglied einer Staatengruppe, deren Regierungen sich zu aktivem Engagement für Nachhaltigkeitsreportings ihrer Unternehmen verpflichtet haben.

Die Richtung ist klar

Diverse internationale Standards und Entwicklungen, ist Christine Jasch überzeugt, werden auch das bisher zögerliche Sustainability Reporting in Österreich schnell sprunghaft mehren. Sie hat vor 14 Jahren die Austrian Sustainability Reporting Awards (Asra) ins Leben gerufen, sitzt jener Jury vor, die vorbildliche Nachhaltigkeitsberichte auszeichnet, und leitet den Umweltausschuss in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder. Alljährlich zeichnet sie die Vorreiter aus.

Die meisten Auszeichnungen gab es heuer in der Kategorie Große Unternehmen, wo Telekom Austria Group gewann. Auf den Plätzen folgen Oesterreichische Kontrollbank und Zumtobel AG. Zwei weitere Auszeichnungen gingen an die RZB-Gruppe und die OMV AG. Bei den Klein- und Mittelbetrieben gewann wie im Vorjahr Austria Glas Recycling vor Vöslauer Mineralwasser AG. In der Kategorie öffentliche Unternehmen gewann die Vereinigung der österreichischen Zementindustrie.

Bei den integrierten Geschäfts/Nachhaltigkeitsberichten liegt EVN AG auf dem ersten Platz vor VBV Vorsorgekasse AG. Für ihren Erstbericht wurden Lebensart Verlags GmbH sowie Bellaflora Gartencenter GmbH und Hafnermeister Günter Wittek ausgezeichnet.

Für Festredner Mervyn King, Vorsitzender des Integrated Reporting Council und eine der prominentesten Kräfte auf dem Weg zu einer gesamtgesellschaftlichen Darstellung von Unternehmen, war klar: "Es gibt nur eine Zukunft für uns alle. Und das ist eine nachhaltige." (kbau, DER STANDARD, 30.11./1.12.2013) 

  • Am Dienstagabend in der Wiener Industriellenvereinigung: Christine Jasch mit einem der einflussreichsten Reporting-Treiber, Mervyn King aus Südafrika.
    foto: r. herbst

    Am Dienstagabend in der Wiener Industriellenvereinigung: Christine Jasch mit einem der einflussreichsten Reporting-Treiber, Mervyn King aus Südafrika.

  • Der Pokal zum Preis: "Asra" in Glas.
    foto: r. herbst

    Der Pokal zum Preis: "Asra" in Glas.

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