Mission (über)erfüllt

29. November 2013, 19:11
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Sotheby's-Machtkampf: Tobias Meyer nahm sich jetzt aus dem Spiel

"Announcement from Sotheby's" war jene Mail betitelt, die kurz nach acht Uhr abends MEZ Ende vergangener Woche (22. 11.) verschickt wurde. Also hat CEO Bill Ruprecht doch seinen Hut genommen, war wohl die geläufigste Annahme. Immerhin war der jüngst vom Aktivisteninvestor Daniel Loeb dazu aufgefordert worden. Nur: Nicht Ruprechts, sondern Tobias Meyers Abgang war Inhalt. Die Reaktionen pendelten zwischen Überraschung und Schock, sowohl außerhalb des Sotheby's-Universums als auch ganz besonders innerhalb. Mitarbeiter und Kollegen mussten es empfunden haben, als ob man ihnen das Maskottchen gemopst hätte.

Denn der 1963 in Frankfurt Geborene, der zeitweilig in Wien lebte, repräsentierte Sotheby's. In der oftmals schnellen Rekordabfolge konnte man schon mal die Auktionshäuser verwechseln, nicht aber Meyers Arbeitgeber. Nach innen fungierte er als Identifikationsfigur, nach außen als Symbol für die rasante Entwicklung des globalen Kunstmarktes. Wegen seiner Souveränität und Coolness bezeichnete die New York Times den Chefauktionator auch als "Sotheby's 007".

100-Millionen-Principal

Vielleicht hatte Meyer, der heuer seinen 50. Geburtstag feierte, nach 20 Jahren an vorderster Front schlichtweg genug: von diesem Zirkus, der ihm immer neue Höchstleistungen abverlangt hätte. Ganz so, wie man es vom 100-Millionen-Dollar-Prinzipal erwarten durfte: 2004 war er es, der den Kaufpreis in einem Auktionssaal erstmals über diese magische Hürde trieb, dem inklusive der jüngsten Rekorde exakt fünf weiterer folgten. Drei davon gingen auf sein Konto. Ein hauchdünner Vorsprung, der sich jedoch nicht in den Marktanteilen im Segment Contemporary & Post War spiegelt, wo man längst vom privaten und damit flexibleren Erzrivalen Christie's überholt worden war.

Und hier witterte Loeb (Aktienanteil 9,3 Prozent) wie bei den Kosten das größte Manko. Derweilen hat in der Führungsetage von Sotheby's ein erbitterter Machtkampf begonnen. Aus diesem nahm sich Tobias Meyer jetzt aus dem Spiel, um an seiner Zukunft als Private Dealer zu tüfteln.

Anfang 2014 wird Bill Ruprecht Details zur strategischen Umorientierung verlautbaren, damit ihm ob des Loeb'schen Orkans nicht doch der eigene Filz vom Kopf gerissen wird. (kron, Album, DER STANDARD, 30.11.2013)

  • Tobias Meyer, 50-jähriger Starauktionator, verabschiedet sich nach 20 Jahren von Sotheby's.
    foto: sotheby's

    Tobias Meyer, 50-jähriger Starauktionator, verabschiedet sich nach 20 Jahren von Sotheby's.

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