Die Tür zum Nichtraucherraum steht immer offen

28. November 2013, 17:26
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Die Resultate einer Erhebung in Wiener Lokalen zum Schutz der Nichtraucher sind "katastrophal": Zum WC muss man durch den Raucherbereich, automatische Trenntüren sind außer Betrieb

Wien - Gewusst hat es eh schon jeder, mit Zahlen konnte es bis dato keiner belegen: Die Nichtraucherschutzbestimmungen für die Gastronomie stehen in einem "schlechten Gesetz, das auch noch aufgrund mangelnder Kontrolle hintergangen wird", bringt es Studieninitiator Peter Tappler auf den Punkt. So verstoßen in Wien-Neubau 99 Prozent der Lokale mit getrenntem Raucher und Nichtraucherbereich gegen mindestens eine Vorgabe des Tabakgesetzes, ergab die erste empirische Erhebung.

Was für den siebten Wiener Gemeindebezirk erhoben wurde, könne auch auf ganz Wien und die anderen Großstädte in Österreich umgelegt werden. Die Totalerhebung in Neubau sei repräsentativ, betont Tappler von "IBO Innenraumanalytik OG".

Mehr als 310 Lokale untersucht

Im Juni dieses Jahres haben "sein" Institut und "Ärzte für eine gesunde Umwelt" mehr als 310 Lokale in Wien-Neubau untersucht. Wie sich zeigte, ist das Raucherproblem in den Wirtshäusern alles andere als gelöst. Vor allem die Nichtraucher/Raucher-Betriebe schnitten "katastrophal" ab, meint Tappler. Größtes Manko: Die gesetzlich vorgeschriebene Abtrennung der beiden Bereiche. So gibt es zwar in 62 Prozent der Wirtshäuser separate Räume, nur steht die Verbindungstüre stets offen. Zum Teil wurde sogar die Schließautomatik abgestellt.

Bei rund einem Drittel der Lokale befanden sich die sogenannten Verabreichungsplätze für Speisen und Getränke (Bar oder Essensausgaben) nicht wie gefordert im Nichtraucherbereich. Ein weiteres ungelöstes Problem: Der Weg auf die Toilette oder in den Nichtraucherbereich. Dieser führt bei 45 Prozent der Lokale durch den Raucherraum. Erst Ende Juli hatte der Verwaltungsgerichtshof festgehalten, dass Nichtraucher die Möglichkeit haben müssen, ohne Rauchschwaden dorthin zu kommen, wohin sie wollen.

"Nicht auf irgendjemanden hinhauen"

Auch wenn die Ergebnisse der Studie "erschreckend" seien, so wolle man jetzt nicht auf irgendjemanden hinhauen", meint Hans-Peter Hutter von "Ärzte für eine gesunde Umwelt". Vielmehr seien sie ein Beleg dafür, dass der Bund endlich eine "solide und praktikable Lösung" finden solle.

In der Steiermark haben sich bereits SP und VP für ein generelles Rauchverbot in Lokalen ausgesprochen. Ein entsprechendes Positionspapier wurde an die Bundesspitze übermittelt. Auch die Fachgruppe Gastronomie der Tiroler Wirtschaftskammer tritt überraschenderweise für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie ab dem Jahr 2016 ein.

Auf Bundesebene gibt es keine Entscheidung, ob das seit 2008 gültige Tabakgesetz novelliert wird. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), der zwar für ein generelles Rauchverbot ist, ließ ausrichten, man könne den Koalitionsverhandlungen nicht vorgreifen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 29.11.2013)

  • Kaum ein Lokal in Wien-Neubau hält sich an das Tabakgesetz, ergab eine Erhebung. Die Studienautoren raten dem Bund, endlich eine "solide Lösung" zu schaffen.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Kaum ein Lokal in Wien-Neubau hält sich an das Tabakgesetz, ergab eine Erhebung. Die Studienautoren raten dem Bund, endlich eine "solide Lösung" zu schaffen.

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