Was bei der UNO-Klimakonferenz wirklich geschah

Leserkommentar28. November 2013, 17:34
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Auch wenn in Warschau nicht die neue Weltformel gefunden wurde, kein Grund zum Verzweifeln, nehmen wir die Sache selbst in die Hand

"Bei der UNO-Klimakonferenz ist wieder nix rausgekommen", lauteten die bedauernswerten Schlagzeilen der letzen Woche. Doch ein UNO-Prozess ist hochkomplex und langwierig. Das sollte uns Bürger nicht verzweifeln lassen, sondern motivieren, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen.

Abseits der Verhandlungen entsteht eine tolle Dynamik. Es treffen Akteure der Wirtschaft, Wissenschafter, internationale Organisationen, wie zum Beispiel die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development, Anm.) und die Weltbank, viele NGOs und Vertreter der Medien aufeinander. Dieser interessante Mix kann den Stein ins Rollen bringen und hat das Potenzial, Ideen zünden zu lassen.

Auch wenn man in Warschau nicht die neue Weltformel aus der Hand schüttelte, sind Zahlungen in Klimafonds und zusätzliche Emissionsreduktionsverpflichtung früher oder später unvermeidbar. Schließlich stoppt die Klimaerwärmung leider nicht mehr von selbst, und die Auswirkungen werden stetig sichtbarer. Je früher sich Österreich dafür vorbereitet und Bewusstsein schafft, desto besser. Die kosteneffektivste Maßnahme ist, so früh wie möglich Emissionsreduktionen und Anpassungsstrategien umzusetzen. OECD-Mann Anthony Cox ist motiviert: "Die Beweise für die negativen Folgen des Klimawandels sind überwältigend. Je früher wir handeln, desto leichter gelingt uns der Übergang in eine kohlenstoffarme Gesellschaft."

Für Österreich wäre es ohnedies eine verpasste Chance, nicht auf den Zug in Richtung Nachhaltigkeit aufzuspringen. Auf vielen informativen Side Events der Klimakonferenz wird über Innovation, Smart Grids und Green Buildings diskutiert. Peter Bakker, Präsident des WBCSD (World Business Council for Sustainable Development)*, stellte die "Action 2020" vor – den Weltklimavertrag aus Unternehmersicht. Die Chance für alle Unternehmer. Hier ist ein Markt, der vordringen will.

Darüber hinaus könnte ein ambitionierter Weltklimavertrag die österreichische Wirtschaft langfristig bereichern. Österreich, der Standort für Klein – und Mittelbetriebe, profitiert von regionaler Landwirtschaft und ist stark in Umwelttechnologie. Unsere österreichischen Unternehmen in den Bereichen Abfallwirtschaft und Solarthermie zählen sogar zu den europäischen Marktführern.

Mithilfe sozialer Medien kommunizieren

UNO-Klimachefin Christiana Figueres erkennt außerdem das Potenzial sozialer Medien. Mithilfe sozialer Medien ist es einfacher denn je, die Problematik der Klimaveränderung zu kommunizieren. Deshalb forderte sie uns auf, unsere 500 engsten Facebook-Freunde aufzuklären und zu kreativer Lösungsfindung zu ermutigen.

Gibt es politischen Willen zum Zwei-Grad Ziel**? Meiner Einschätzung nach hat der Großteil der Verhandler den Willen und ist sich des Problems auch bewusst. Zumindest kann ich das von den Verhandlern der österreichischen Delegation behaupten, und zu den abschließenden Verhandlungen haben sich auch die Umweltminister, wie Minister Niki Berlakovich, eingeschaltet. Nicht zu vergessen bleibt, dass nicht nur die Umweltvertreter aller Staaten dazu motiviert werden müssen, gegen den Klimawandel vorzugehen, sondern darüber hinaus die Wirtschaftsminister und Staatspräsidenten sowie die dahinterstehenden Energie- und Industrieunternehmen.

Aus diesem Grund appelliere ich auch an die gesamte österreichische Politik und alle Parteien, das Thema Klimaschutz vermehrt aufzugreifen und sich auf dem entscheidenden Weg nach Paris 2015 verstärkt einzubinden. Die Folgen des Klimawandels betreffen uns schließlich alle: Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.

Es wäre fahrlässig zu warten, bis sich 195 Parteien auf einen Vertrag einigen. Die Dringlichkeit zu handeln steigt. Es gibt bereits Technologien, Innovationen und Ansätze, die man sehr wohl einer Wirtschaft und einer immer bewusster lebenden Konsumentenschicht attraktiv verkaufen kann. Deshalb möchte ich auch alle STANDARD-Leser dazu einladen, Helmut Hojeskys (Abteilungsleiter Immissions- und Klimaschutz, Lebensministerium) Vision zu folgen: "We care, so let's act." (Leserkommentar, Eva Pangerl, derStandard.at, 28.11.2013)

*WBCSD World Business Council for Sustainable Development

**Zwei-Grad-Ziel: Im Jahr 2010 in Cancún haben sich die Parteien geeinigt, dass Emissionen so weit reduziert werden müssen, dass der globale Temperaturanstieg unter 2 °C Grad gehalten wird (UNFCCC). In der Klimapolitik besteht weitreichender Konsens darüber, dass bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2 °C über dem vorindustriellen Wert eine gefährliche Störung des Klimasystems durch den Menschen gerade noch vermieden werden kann.

EVA PANGERL (23, Wien) war bei der UN Klimakonferenz 2013 in Warschau Teil der österreichischen Delegation. Sie studiert derzeit in Kopenhagen das europäische Double-Degree Master Program Environmental Science, Climate Change und beschäftigt sich mit Klimamodellen, den Auswirkungen des Klimawandels sowie gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Implikationen des Klimawandels.

  • Eva Pangerl (rechts) in Warschau.
    foto: thomas winkler

    Eva Pangerl (rechts) in Warschau.

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