Die Sphinx von nebenan

28. November 2013, 17:54
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Merkel ist nach wie vor ein Genie schnörkelloser Effektivität

Faszinierende Persönlichkeiten in der "ZiB 2" - etwa Monika Lindner: Sie hat ihren wilden Parlamentsplatz geräumt, kann aber immerhin mitnehmen, die kürzeste Ansprache aller Zeiten gehalten zu haben ("Ich gelobe!"). Ein Rekord, den Silvio Berlusconi nicht toppen wird, da er - ein weiterer beeindruckender "ZiB 2"-Gast - den Parlamentssitz verlor. Wobei: Als Erfinder der Karriereparadoxie "Das endlose Ende" ist er längst Teil der Geschichte.

Sie alle schlägt jedoch Kanzlerin Angela Merkel. Sie präsentierte mit zwei Kollegen einen Koalitionsvertrag, der noch einer Absegnung durch die SPD-Basis bedarf, was interessant ist. Interessanter hier jedoch ihre Art der Präsentation, die vertiefende Studien bei ARD und ZDF nach sich zog: Und siehe da: Merkel ist nach wie vor ein Genie schnörkelloser Effektivität. Hatte sie einmal das Zentrum der Pressekonferenzmacht, die Sitzmitte, zwischen den einander neckenden Herrn Horst Seehofer (CSU) und Sigmar Gabriel (SPD) erobert, ließ sie die Eitlen spielen.

Als Gabriel meinte, nach den Verhandlungen sei man "getrennt" zu Bett gegangen, und Seehofer zurückwitzelte, gab es denn auch kollektive Lachstürme. An Merkel prallte dies jedoch ab. Wann etwas und was lustig ist, bestimmt eine Herrscherin schon selbst.

Trat Merkel jedoch sprechend aus ihrer Ungerührtheit heraus, blieb es bei nüchternen Selbstverständlichkeiten. Dennoch wurde alles zur Pointe. "Ich sitze hier und mache meine Arbeit", spricht die Kanzlerin, und alles grinst. Hier erntet jemand nach wie vor die Früchte seiner (alle Coachings verhöhnenden) Selbstpräsentation. Merkel - eine fleißige Sphinx, die man sich als nette Nachbarin vorstellen kann. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 29.11.2013)

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