Komet ISON erreicht sonnennächsten Punkt

28. November 2013, 14:48
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Astronomen rätseln, ob ISON die Sonnenpassage überstanden hat

Lindau/München/Wien - Mit Spannung erwarteten Astronomen weltweit den Vorbeiflug des Kometen ISON an der Sonne. Am Donnerstagabend um 19.37 Uhr passierte er das Tagesgestirn mit einem Abstand von etwa 1,7 Millionen Kilometeren - so nahe wie nie zuvor. Ob der Brocken aus Fels und Eis die enormen Gezeitenkräften sowie Temperaturen von einigen tausend Grad ausgesetzt überstanden hat, ist noch unklar.

Am Abend stand noch nicht fest, ob der Kern des Kometen unbeschadet geblieben ist. Ersten Meldungen zufolge steht es nicht gut um ISON.

Mehrere Stunden vor der Annäherung an die Sonne gab es noch keine sichtbaren Anzeichen für ein Zerbrechen des Kometen, berichteten Wissenschafter des Max-Planck-Insituts für Sonnensystemforschung am Nachmittag in Lindau. Andererseits hätten sich vor zwei Wochen wohl mehrere Brocken vom Kern des Kometen abgespalten. Darauf deuteten zwei flügelartige Strukturen in der Gasumgebung des Kometen hin, die die Forscher in Kooperation mit dem Wendelstein-Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität München abbilden konnten. Damit sei vermutlich auch der plötzliche Helligkeitsanstieg von ISON zu erklären.


Livestream: NASA/Ustream

Auffällige Strukturen

Auf seinem Weg in Richtung Sonne hatte ISON viele Hobbyastronomen enttäuscht: Die Helligkeit des Schweifsterns hatte zunächst weit weniger stark zugenommen als erhofft. Vor zwei Wochen nahm die Strahlkraft des Kometen aber sprunghaft zu, gleich mehrere Beobachter vermeldeten einen starken Helligkeitsanstieg. Die Aufnahmen der Astronomen vom 14. und am 16. November zeigen die auffälligen Strukturen in der Atmosphäre des Kometen. Waren diese "Flügel" am 14. November noch recht schwach ausgeprägt, dominieren sie die zwei Tage später aufgenommenen Bilder deutlich. "Solche Strukturen treten typischerweise auf, nachdem sich einzelne Bruchstücke vom Kern eines Kometen abgelöst haben", sagte der Max-Planck-Astronom Hermann Böhnhardt .

Dass der Komet gänzlich zerbricht, glaubte Böhnhardt eher nicht; Insgesamt herrschte unter Wissenschaftern aber große Uneinigkeit darüber, wie der Flug für ISON enden würde. Seit dem späten Nachmittag ist aber alles Spekulation. Von Teleskopen aus lässt sich ISONs Flug derzeit nicht verfolgen, zu nah ist er noch an der Sonne. Gesicherte Informationen und Analysen gibt es derzeit noch nicht - es heißt also weiterhin abwarten. (red, derStandard.at, 28.11.2013)

  • Kombinierte NASA-Aufnahmen von ISON wenige Stunden vor der Passage.
    foto: nasa

    Kombinierte NASA-Aufnahmen von ISON wenige Stunden vor der Passage.

  • Auf dem Weg zur Sonne: Archivaufnahme vom 25.11.2013.
    foto: ap

    Auf dem Weg zur Sonne: Archivaufnahme vom 25.11.2013.

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