Gegenseitige Provokationen im Inselstreit

28. November 2013, 12:26
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Japanische und südkoreanische Aufklärer durchfliegen Gebiet - China schickt Flugzeugträger

Tokio - Japan und Südkorea ignorieren weiter die neue chinesische Luftverteidigungszone und riskieren damit eine Eskalation des Inselstreits im Ostchinesischen Meer. Nach Angaben der japanischen Regierung durchflogen Militärmaschinen am Donnerstag die Zone über den von Japan und China beanspruchten Inseln. Auch ein südkoreanisches Aufklärungsflugzeug überflog eine Insel, um die sich China und Südkorea streiten. In den vergangenen Tagen hatten schon japanische Verkehrsflugzeuge die chinesischen Anweisungen ignoriert und ohne Anmeldung bei den chinesischen Militärbehörden das Gebiet durchkreuzt. Die USA hatten zudem zwei unbewaffnete US-Langstreckenbomber vom Typ B-52 über die Inseln fliegen lassen. Die Eskalation des Gebietsstreits dürfte das dominierende Thema beim Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden kommende Woche in Japan, China und Südkorea sein.

Chinesische Luftverteidigungszone seit wenigen Tagen

Die Regierung in Peking streitet sich mit Japan um die unbewohnte Seeregion, die in China als Diaoyu-Inseln und in Japan als Senkaku-Inseln bekannt sind. Mit Südkorea gibt es Streit um eine Insel, die Korea Ieodo nennt und China Suyan-Felsen. Der Konflikt eskalierte, als China am Wochenende eine Luftverteidigungszone ausrief. Nach den chinesischen Vorgaben müssen Besatzungen ihre Flugpläne an die Behörden in Peking melden. Maschinen, die sich nicht identifizieren, drohte China mit "defensiven Notmaßnahmen".

Am Donnerstag deutete China allerdings an, dass die Verkehrsluftfahrt nicht im Fokus der neuen Vorschriften steht. Die Luftverteidigungszone ziele nicht auf "normale internationale Flüge", sagte Außenministeriums-Sprecher Qin Gang in Peking. "Wir hoffen, dass die Fluggesellschaften bedeutender Länder mit uns proaktiv zusammenarbeiten können, damit es mehr Ordnung und Sicherheit für die Flüge gibt", sagte Qin. Auf den Überflug des südkoreanischen Aufklärers angesprochen, sagte Qin lediglich, man habe dies registriert. Die Forderung Südkoreas, die Zone wieder aufzuheben, wies die chinesische Regierung zurück.

Japan: "Wir werden nichts ändern"

Japan und Südkorea erklärten, bei den Flügen ihrer Militärmaschinen handele es sich um normale Überwachungsaktivitäten, die es bereits vor Ausrufung der Luftverteidigungszone durch China regelmäßig gegeben habe und die fortgesetzt würden. "Wir werden daran nichts ändern", sagte der japanischer Regierungsvertreter. 

China schickt Flugzeugträger ins Südchinesische Meer

Währendessen nimmt Chinas Flugzeugträger "Liaoning" weiter Kurs auf das Südchinesische Meer. Das Schiff steuerte auf seiner Übungsfahrt am Donnerstag an Taiwan vorbei, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Wie mit Japan im Ostchinesischen Meer streitet China auch im Südchinesischen Meer mit mehreren Nachbarn um Inselgruppen.

Chinas Marine sprach von einem "normalen" Übungseinsatz des Flugzeugträgers, der bisher nur Ausbildungszwecken dient und von zwei Kreuzern und zwei Fregatten begleitet wird.

Die erste Übungsfahrt des Schiffs in das Seegebiet fällt zusammen mit dem Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in der kommenden Woche in Japan, China und Südkorea.

Die "Liaoning" wurde ursprünglich in der Sowjetunion gebaut und gehört zur Admiral-Kusnezow-Klasse. Als "Riga" bzw. später "Warjag" hätte sie für die Sowjet-Marine laufen sollen. 1998 wurde sie an China verkauft, die Volksmarine hat sie adaptiert. China testet mit dem Flugzeugträger - der noch nicht einsatzbereit ist - seine strategischen Möglichkeiten. An Bord sollen sich künftig rund 20 Jets des Typs Shenyang J-15 befinden, die dem russischen Trägerflugzeug Suchoi Su-33 ähnelt. (APA/Reuters, 28.11.2013)

  • Der Streit um die unter japanischer Verwaltung stehende rohstoffreiche Inselgruppe Senkaku (auf Chinesisch heißt sie Diaoyu) steht vor einer neuerlichen Eskalation.
    foto: ap photo/kyodo news, file

    Der Streit um die unter japanischer Verwaltung stehende rohstoffreiche Inselgruppe Senkaku (auf Chinesisch heißt sie Diaoyu) steht vor einer neuerlichen Eskalation.

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    quelle: apa
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