Salzburger Einflugschneise wird zur Kanzlerfrage

27. November 2013, 19:50
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Streit um die An- und Abflugroute der Flugzeuge über deutsches Staatsgebiet wird zum "nationales Problem" - Existenz des Mozart-Flughafens steht am Spiel

Salzburg – "Jetzt müssen die Chefs ran", sagt Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ). Helmut Mödlhammer, als Gemeindebundspräsident Schadens Alter Ego von der ÖVP, spricht von einem "nationalen Problem". Beide sehen die Existenz des Salzburger Flughafens durch eine neue Anflug-Verordnung des deutschen Verkehrsministeriums bedroht. Und beide setzen ihre letzte Hoffnung in ein Gipfelgespräch auf Kanzlerebene: Angela Merkel und Werner Faymann sollen es für die Salzburger richten.

Von dem für 5. Dezember vereinbarten Gespräch zwischen dem deutschen Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und seiner österreichischen Kollegin Doris Bures (SPÖ) erwartet sich Schaden nicht allzu viel. Ramsauer habe sich in der Frage so einzementiert, dass er nicht "ohne Gesichtsverlust"  aussteigen könne.

Fluglinien könnten abspringen

Aus Sicht der Bayern und des aus der Region stammenden Verkehrsministers Ramsauer ist die Sache einfach: So gut wie alle Flugbewegungen vom Mozart-Airport – immerhin 17.000 im Jahr – erfolgen nach und von Norden und berühren deutsches Hoheitsgebiet. Und obwohl die Anrainer jahrelang gegen den Lärm protestiert haben, blieben die Salzburger untätig. Jetzt wird der Luftraum gesperrt, An- und Abflüge aus und nach Norden sollen nur mehr in Ausnahmsfällen möglich sein.

Aus Sicht der Salzburger ist die Sache auch einfach: Sperren die Deutschen – wie im Entwurf zur Anflug-Verordnung  angedroht – den Luftraum über Freilassing, kann nur mehr über die Südroute via Hallein geflogen werden. Viele Maschinen wären für diese aber nicht ausgerüstet, und viele Piloten wären für diese nicht ausgebildet. In Salzburg ist nur die Flugschneise über Bayern eine Instrumentenflugroute. Einige Airlines hätten bereits angekündigt, Salzburg nicht mehr anzufliegen.

Für Salzburg geht es um viel: Rund 1,7 Millionen Passagiere werden am Flughafen pro Jahr abgefertigt. Der Umsatz liegt bei über 50 Millionen Euro. Der unmittelbare Arbeitsplatzeffekt wird auf 7000 Arbeitsplätze geschätzt.

"1000-Mark-Sperre"

Dass in Salzburg am 9. März kommenden Jahres Gemeindewahlen angesetzt sind, macht die Verhandlungen mit den Deutschen – zumindest atmosphärisch – nicht leichter. Die Töne sind schrill: Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) spricht von einer "Kriegserklärung" , sein Parteikollege, Stadtvize Harald Preuner, vergleicht Ramsauers Verordnung mit der "1000-Mark-Sperre"  der Nationalsozialisten.

Erklärungsbedarf haben die Grünen. Zwar haben auch sie sich – nach einigem Zögern – zum Flughafen bekannt, Grünen-Chefin und Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Rössler hat aber im Jänner noch höchstpersönlich den Flughafen wegen einer angeblich fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfung angezeigt. Mit im Boot der Anzeige: die Flughafengegner aus Bayern. (Thomas Neuhold, 28.11.2013)

  • In Salzburg fliegt alles nach Norden.
    grafik: der standard

    In Salzburg fliegt alles nach Norden.

  • Die Bayern bekommen den Lärm ab.
    foto: mozart airport

    Die Bayern bekommen den Lärm ab.

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