Kleingarten hinter Gittern

27. November 2013, 18:25
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Nein, raus will er nicht mehr, "damit sowas nicht wieder passiert", sagt ein Mörder - 15 Prozent der Insassen bleiben für immer in Eickelborn

Der Mann mit dem gutmütigen Gesicht ist ein Mörder und Vergewaltiger. Er lebt im Zentrum für forensische Psychiatrie in Eickelborn, einem Ort in der Nähe von Dortmund. Das Ziel dort ist die Sicherung und Therapie der Straftäter. Nein, raus will er nicht mehr, "damit sowas nicht wieder passiert". Ja, Mord kann man verdrängen. Regisseurin Katrin Bühlig hat für die BR-Dokumentation "Restrisiko" Dienstagabend Straftäter im Maßregelvollzug besucht, dringt tief ein in ihren Alltag. Fast schon heimelig wirkt ihr Leben hinter den Gittern.

Mit sieben Messerstichen hat der Mann ein Mädchen ermordet. Stolz präsentiert er sein Zimmer, pflanzt Blumen vor seinem Fenster. Vorhänge und Bettwäsche hat er selbst ausgesucht. Er wirkt gemütlich. "Das ist mein Zuhause", sagt er. Jetzt schaut er lieber romantische Beziehungskomödien statt wie früher harte Gewaltfilme. Wenn er genervt ist, dann sind die Vergewaltigungsfantasien wieder da.

Sehr reflektiert sprechen die Männer über ihre grauenhaften Taten. Diese Klarheit verstört. Er wollte auch einmal mächtig sein, erzählt einer. Im Moment nach der Tat hat er sich gut gefühlt. Nein, krank sei er nicht, sondern kriminell.

Manches klingt wie aus dem Lehrbuch, ist nahe am Therapiesprech. Etwa, wenn ein anderer sagt: "Sex ist eine Waffe, mit der man andere erniedrigt. Ich habe diese Waffe verwendet." Seine Eltern halten zu ihm, "wir haben ihn gern, egal was passiert".

15 Prozent der Insassen bleiben für immer in Eickelborn. Für sie ist die Klinik ihr Lebensraum. Hinter verschlossenen Türen wird gesungen, für die Grillwürste das Taschengeld ausgegeben. Alltag eben, der unheimlich normal erscheint. (Astrid Ebenführer, DER STANDARD, 28.11.2013)

  • "Restrisiko": BR-Doku über Straftäter im Vollzug.
    foto: br

    "Restrisiko": BR-Doku über Straftäter im Vollzug.

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