Schweiz: Vier Prozent dopen am Arbeitsplatz

27. November 2013, 11:58
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Bei 4,4 Millionen Erwerbstätigen sind das 176.000 - Betroffen sind vor allem Junge und Beschäftigte in Gesundheits- und Sozialberufen

Doping ist zwar noch weit davon entfernt, zum Massenphänomen zu werden, in der Arbeitswelt ist es aber bereits angekommen. Vier Prozent der Schweizer haben im beruflichen Umfeld bereits mit leistungssteigernden Substanzen experimentiert. Bei 4,4 Millionen Erwerbstätigen sind das immerhin 176.000 Personen.

Ritalin am weitesten verbreitet

Bei den Medikamenten oder Drogen handelte es sich um verschreibungspflichtige Substanzen, die zum Zwecke der kognitiven Leistungssteigerung oder Stimmungsaufhellung eingenommen wurden, ohne dass ein medizinischer Grund dafür vorlag. Am öftesten verwendet wurde Ritalin, andere Medikamente waren etwa Cipralex, Temesta, Xanax oder Valium.

Die Zahlen geben erstmals ein Bild über die Verbreitung von Doping am Arbeitsplatz in der Schweiz. Erhoben wurden sie von der Schweizer Unfallversicherungsanstalt (Suva), über 10.000 Personen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren nahmen an der Onlinebefragung teil. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Befragten gab an, in den letzten zwölf Monaten häufig oder sehr häufig gestresst gewesen zu sein.

Jüngere sind eher betroffen

In einer Aussendung der Versicherung heißt es, dass Stress und Tempo im Berufsleben in den vergangen Jahren deutlich zugenommen hätten. Gründe seien eine größere Arbeitslast, strukturiertere Arbeitsprozesse und ein rasanteres Tempo, das durch moderne Kommunikationsmittel noch forciert werde. Der Druck scheint vor allem den Jüngeren zu schaffen zu machen. Der Studie zufolge dopen Personen, die sich in Ausbildung befinden, doppelt so häufig wie andere Erwerbstätige. Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen berichten mit 5,7 Prozent häufiger über Doping am Arbeitsplatz als Angehörige anderer Berufsgruppen.

"Soft-Dopingsubstanzen" weit verbreitet

Ein anderer Aspekt der Studie war der Einsatz von "Soft-Dopingsubstanzen" zur Leistungssteigerung oder Stimmungsaufhellung. Am weitesten verbreitet sind Koffein (37,3%), Tabak (24,5%), Energy Drinks (19,6%) und Vitamin- und Stärkungspräparate (19,2%). Insgesamt berichten 64 Prozent der Befragten von mindestens einer Einnahme von "Soft-Dopingsubstanzen" mit dem Motiv der kognitiven Leistungssteigerung, Reduktion von Nervosität, Stimmungsaufhellung am Arbeitsplatz oder Entspannung nach Stress bei der Arbeit bzw. in der Ausbildung.

Studienautor Michael Schaub, Direktor des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung, resümiert: "Aus heutiger Sicht bin ich der Meinung, dass Doping am Arbeitsplatz und in der Bildung in der Schweiz kein gravierendes Problem ist, das dringender Maßnahmen bedarf. Es handelt sich jedoch um ein Phänomen, das in regelmäßigen Abständen untersucht werden soll, um eine allfällige Zunahme zu identifizieren."

Fünf Prozent in Deutschland

In Deutschland dürfte die Situation ähnlich gelagert sein. Eine im August publizierte Studie der deutschen Krankenkasse AOK kam zu dem Ergebnis, dass Doping im Arbeitsleben zu einem immer größeren Problem wird. Um berufliche Stresssituationen zu bewältigen, haben fünf Prozent der Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten Medikamente wie beispielsweise Psychopharmaka oder Amphetamine eingenommen. Alarmierend ist auch hier, dass vor allem Jüngere betroffen sind. (red, derStandard.at, 27.11.2013)

  • Die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln betrifft keineswegs nur die Managementebene. In der Schweiz greifen vor allem Junge darauf zurück.
    foto: istockphoto.com / schulteproductions

    Die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln betrifft keineswegs nur die Managementebene. In der Schweiz greifen vor allem Junge darauf zurück.

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