Bürger wollen die Bahn weg vom Bodensee

26. November 2013, 18:48
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Initiative prognostiziert drastisch mehr Fahrten von Güterzügen durch Bregenz

Bregenz - Man habe den See an die Bahn verloren, bedauert die Bürgerinitiative "mehramsee". Nun wollen die Bürger, organisiert in einer Genossenschaft, den See zurückgewinnen. Ihr Ziel ist ein Bahntunnel zwischen St. Margarethen in der Schweiz und Lindau, der deutschen Nachbarstadt.

Der Bahngürtel am Bregenzer Seeufer raube der Stadt- und Regionalentwicklung den Atem, sagen die Genossenschafter. Durch eine Untertunnelung würden über 100.000 Quadratmeter ÖBB-Grund frei werden, rechnet Pius Schlachter, Genossenschafter und Grundbesitzer am See, vor. Was aus den Grundstücken werden soll, darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht, das müssten Politik und Bürger dann gemeinsam aushandeln. An Spekulation sei die Genossenschaft nicht interessiert, dementiert Schlachter, der auf seinen Seegründen ein Bauprojekt laufen hat, entsprechende Gerüchte.

Schrecken Güterzug

Stimmung für den Tunnel macht die Genossenschaft mit dem Schreckgespenst Güterverkehr. 30 und mehr Güterzüge würden Ende des Jahrzehnts wöchentlich durch Bregenz rollen, prognostiziert "mehramsee". Die Genossenschafter begründen ihre Annahme mit dem Ausbau des Schweizer Bahngüterverkehrs (NEAT Alpentransversale) und der auf deutscher Seite seit Jahren fälligen Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau.

Aktuell fahre planmäßig kein einziger Güterzug durch Bregenz, sagt Franz Hammerschmid von der ÖBB Infrastruktur AG. Außer Plan, - ad hoc nennt das die ÖBB -, fahren unregelmäßig zwei Züge pro Tag. Nach der Modernisierung der deutschen Strecke könnten es zusätzlich zwei bis vier Züge täglich sein. Güterzüge würden auch künftig über den Arlberg geführt, versichert Hammerschmid.

Ausdrücklich gewünscht ist von allen drei Bahnunternehmen die Frequenzsteigerung im Personenverkehr zwischen München und Zürich. Ab 2020 sollen die 300 Kilometer, Bregenz liegt auf halber Strecke, in drei Stunden 15 Minuten gefahren werden. Weil der Schweiz die schnelle Verbindung zwischen den Wirtschaftszentren ein Anliegen ist, finanziert sie mit einem zinslosen Darlehen in der Höhe von 50 Millionen Euro vor. Weitere 55 Millionen legt der Freistaat Bayern, ebenfalls als Darlehen, dazu.

Kosten wird der Streckenausbau nach einheitlichen technischen Standards des Transeuropäischen Netzes (TEN) laut heutiger Schätzung 310 Millionen Euro. Würde die ÖBB einen Bregenzer Tunnel beisteuern, müsste man mit 60 bis 80 Millionen pro Tunnelkilometer rechnen.

Genossenschaftsgründer Pius Schlachter will Private zur Mitfinanzierung gewinnen. Über die Details wollen die Genossenschafter in öffentlichen Veranstaltungen informieren. (Jutta Berger, DER STANDARD, 27.11.2013)

  • Wo heute die Bahn fährt, soll morgen Raum für Stadtentwicklung sein, wünscht sich eine Bregenzer Bürgerinitiative.
    foto: der standard/dietmar stiplovsek

    Wo heute die Bahn fährt, soll morgen Raum für Stadtentwicklung sein, wünscht sich eine Bregenzer Bürgerinitiative.

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