Eine Empfindung für Licht

26. November 2013, 17:36
1 Posting

Die Landesgalerie in Linz widmet dem deutschen Fotografen Peter Schlör unter dem Titel "Light Shift" eine getragene Einzelausstellung

Linz - Eine Landschaft, in hartes Licht getaucht, die Belichtung hält sich an einer reflektierenden Fläche - einer Hauswand etwa - fest, die Umgebung wird in Dämmerlicht gehüllt, ohne an Kontur zu verlieren: unwirklich, irreal, irritierend sind Peter Schlörs Fotografien, die er meist auf den Kanarischen Inseln, manchmal in der Türkei oder in Island aufnimmt.

Er warte, so Schlör, oft sehr lange. Darauf, dass der Sonneneinfall sich verändert oder dass plötzlich Stellen beleuchtet werden, die kurz davor noch im Dunkeln lagen. Schlör verändert seinen Blickwinkel auf das gleiche Motiv oft nur minimal und macht durch Serien deutlich, wie viel diese minimale Orts- und dadurch Lichtverschiebung bewirkt, wie sehr sich dadurch eine Szenerie in ihrer Atmosphäre verändert.

Es ist ausschließlich natürliches Licht, das für viele zeitgenössische Fotografen zu wenig weich, zu gleichmäßig, zu wenig sachlich sei. Schlör hingegen sucht genau dieses nicht neutrale, nicht gleichmäßige Licht, sondern fotografiert bei gleißend hellem Sonnenschein - in bewusster Abgrenzung zur fotografischen Praxis etwa der Düsseldorfer Schule (Bernd und Hilla Becher) und einer Neuen Sachlichkeit, wie sie Andreas Gursky oder Thomas Ruff pflegen.

Unser Empfinden für Licht nehme ohnehin beständig ab, konstatiert Schlör. Auch erkennt der Künstler eine gegenwärtige Anhaftung am Objekt, von der unsere Wahrnehmung betroffen sei: Je mehr man am Gegenständlichen hänge, desto weniger sehe man eigentlich, ist er überzeugt. Auch wenn ihn Häuser und Gebäude, auf die er sich in früheren, noch nicht abgeschlossenen Zyklen konzentrierte, weiterhin interessieren - wenngleich ausschließlich in ihrer Dimension als Archetypen. Bezieht der Künstler Siedlungen mit ein, dann wirken sie oft hermetisch und isoliert, ein Eindruck, den Schlör teilweise mit überdimensionalen Passepartouts verstärkt. Gegenständliches, sofern überhaupt vorhanden, fügt sich in den Arbeiten, die nun in der oberösterreichischen Landesgalerie zu sehen sind, jedenfalls in eine Textur aus Landschaftslinien, Wolken- oder Gesteinsflächen. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 27.11.2013)

Bis 12. 1. 2014

Link

www.landesgalerie.at

  • Peter Schlör: "La Meseta IV" (2013). 
    foto: galerie arte giani

    Peter Schlör: "La Meseta IV" (2013). 

Share if you care.