Österreichs Mark Zuckerberg

26. November 2013, 16:53
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Geld allein macht nicht glücklich, nicht einmal in einer vermeintlichen Start-Up-Show

Da sitzt sie, die Jury von "2 Minuten 2 Millionen", erhaben und wissend, was Erfolg bedeutet. Ein Trailer zeigt die Investoren in ihrer natürlichen Umgebung: vorfahren in der Limousine, teure Uhren am Handgelenk und Millionen auf dem Konto. Sie werden in den nächsten Wochen entscheiden, welche Jungunternehmer mit ihrer Kurzpräsentation überzeugen konnten und finanzielle Unterstützung verdienen.

Unter Argusaugen betritt der erste Unternehmer die Arena und präsentiert seine Idee. Er bibbert, er stottert, er ist nervös. Die Investoren, auf der Jagd nach dem schnellen Geld, riechen seine Angst und servieren ihn ab. Auch Nummer zwei kann mit seinem Prototyp nicht punkten. Kein Geld, keine Restwerbeplätze, kein Kokettieren mit dem sonnigen Silicon Valley. Endlich hat dann einer Glück. Ein Gynäkologe, der Sehbehinderte zum Brustabtasten ausbilden lässt, löst Begeisterung in der Jury aus. Das nennt man mal ein Geschäftsmodell! Sein Projekt wird mit 375.000 Euro unterstützt, dazu kommen weitere 150.000 Euro Medialeistung. Als Nächster präsentiert ein Tischler seine Bügelwaschmaschine, die "Frauen glücklich machen" soll. Stopp.

Man nenne mich naiv, aber gleicht der Prototyp eines Start-up-Unternehmers nicht mehr ei­nem dauerreisenden Geek, der an Problemen wie Coding und Prokrastination verzweifelt? Wenn ja, warum haben sich diese Menschen nicht am Pitch beteiligt? Fazit: Bescheidene 66.000 Zuseher bekamen am Montagabend Einblick in ein Geschäftsklima, bei dem überzogene Investmentangebote auf skurrile Erfindungen treffen. Von einem österreichischen Mark Zuckerberg war derweil weit und breit nichts zu sehen. (Tatjana Rauth, DER STANDARD, 27.11.2013)

  • Die erste Folge von "2 Minuten 2 Millionen" steht auf puls4.at im Stream zur Verfügung.
    foto: screenshot: puls4.at

    Die erste Folge von "2 Minuten 2 Millionen" steht auf puls4.at im Stream zur Verfügung.

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